Herbstradeln durch Saale-Unstrut
Weinberge, Straußwirtschaften, Burgen und Schlösser: Saale-Unstrut, zwischen Leipzig und Weimar gelegen, hat für kulturinteressierte Genussradler:innen viel zu bieten. Zahlreiche Radwege führen entlang der beiden namensgebenden Flüsse. Hier sind drei Tourenvorschläge für den Herbst.
Tour 1: Kulturgenuss auf Rädern
Der Saaleradweg ist der beliebteste Flussradweg in Saale-Unstrut. Auf etwa 400 Kilometern führt er über mehrere Etappen vom bayerischen Fichtelgebirge bis ins Biosphärenreservat Mittelelbe. Besonders bemerkenswert ist die etwa 60 Kilometer lange fünfte Etappe von Saalfeld nach Jena.
Ab Uhlstädt führt der Saaleradweg durch Saale-Unstrut. In dem Ort lädt das historische Flößereimuseum zur Begegnung mit der jahrhundertealten Tradition der Langholzflößerei auf der Saale. Kurz darauf bietet sich ein Blick auf die hoch über dem Saaletal gelegene Kemenate von Orlamünde. Der Teil einer Burganlage aus dem 11. Jahrhundert zählt zu den wenigen noch existierenden romanischen Wohntürmen in Deutschland und gewährt einen Einblick in die Wohnkultur des Mittelalters.
Wenige Kilometer später ist die Leuchtenburg erreicht. Hier gibt eine Ausstellung Einblicke in die Welt der Porzellanherstellung und -bemalung. Die Route endet in der Universitätsstadt Jena. Hier lohnt sich ein Abstecher zum dienstältesten Projektionsplanetarium der Welt und dem Botanischen Garten, bevor der Tag in der Kneipenmeile der Wagnergasse ausklingen kann.
Tour 2: Familien-Radtour
Für eine entspannte, etwa 20 Kilometer lange Familienradtour empfiehlt es sich, ein Stück des Himmelsscheibenradweges von der Arche Nebra bis zur Burg Querfurt zu radeln.
Die Tour beginnt an der Arche Nebra, dem Ort eines der bedeutendsten archäologischen Funde aus der Bronzezeit: der Himmelsscheibe von Nebra. Die Sonderausstellung zu diesem rätselhaften Artefakt nimmt Besucher:innen mit auf eine virtuelle Reise durch Raum und Zeit, bei der sie interaktiv bedeutende Orte der Himmelsscheibe erkunden. Höhepunkte sind virtuelle Besuche im Sonnenobservatorium Goseck, Stonehenge und dem Ringheiligtum Pömmelte.
Nach Nebra führt der Radweg weiter durch den Ziegelrodaer Forst zur Burg Querfurt. Sie ist eine der größten und ältesten Burgen Mitteldeutschlands. In historischen Ausstellungen erkunden Familien die Epoche des Mittelalters und können viel Wissenswertes über das Wirken der Ritterorden von der Neuzeit bis heute erfahren. In der jüngeren Geschichte hat sich die Burg als Drehort einen Namen gemacht, ob für Historienfilme wie „Der Medicus“ oder „Die Päpstin“ als auch für Kinderklassiker wie „Die zertanzten Schuhe“ oder „Der Räuber Hotzenplotz“.
Tourenerweiterung
Familien, denen 20 Kilometer zu wenig sind, haben die Möglichkeit, die Tour zu erweitern und bereits in Freyburg am Schloss Neuenburg zu starten. Hoch über der Stadt thront Schloss Neuenburg, einst eine der wichtigsten Burgen der Landgrafen von Thüringen, heute eine der größten Burganlagen Deutschlands. Ein seltenes Juwel spätromanischer Architektur auf dem Schlossgelände ist die Doppelkapelle aus dem 12. Jahrhundert. In der Kinderkemenate schlüpfen die jungen Besucher:innen in die Gewänder mittelalterlicher Burgbewohner:innen. Weitere Sehenswürdigkeiten in der Stadt sind die Rotkäppchen Erlebniswelt und der Herzogliche Weinberg. Die Gesamtstrecke von Freyburg bis Querfurt ist etwa 50 Kilometer lang.
Tour 3: Schlösser-Radtour
Eine Reise durch die Geschichte bietet die etwa 80 Kilometer lange Schlösser-Radtour zu den ehemaligen Residenzstädten Zeitz, Weißenfels und Merseburg. Die Strecke lässt sich in zwei bequeme Tagesetappen aufteilen und verspricht eine Mischung aus Kultur und Naturerlebnis. Die Rückreise zum Ausgangspunkt ist mit der Bahn möglich.
Etappe 1: Zeitz – Weißenfels (Saale-Unstrut-Elster Rad-Acht)
Auf der ersten Etappe von Zeitz nach Weißenfels folgen Radfahrer:innen der Ostroute der Saale-Unstrut-Elster Rad-Acht. In Zeitz erwartet sie das barocke Schlossensemble der Moritzburg. Sehenswert ist neben dem dreiflügeligen Hauptgebäude, der gotischen Schlosskirche St. Peter und Paul und dem barocken Torhaus auch das interaktiv-erlebbare Deutsche Kinderwagenmuseum. Dem Japanischen Garten, der Teil des Schlossparkes ist, wird aktuell die Sonderausstellung „Sonnenglanz und Mondenschein: 20 Jahre deutsch-japanische Freundschaft Zeitz–Tosu“ gewidmet.
Etwas weiter die Saale abwärts, in Weißenfels, steht das Schloss Neu-Augustusburg. Die einstige Residenz der Herzöge von Sachsen-Weißenfels ermöglicht Einblicke in die barocke Wohnkultur. Das Museum Weißenfels, welches sich ebenfalls im Schloss befindet, beherbergt nicht nur eine Ausstellung zur Geschichte der Stadt, sondern eines der größten Schuhmuseen in Deutschland. Neben Schuhen aus aller Welt wird hier auch Fußbekleidung prominenter Persönlichkeiten gezeigt. Ein besonderes Juwel auf dem Gelände der Neu-Augustusburg ist die Schlosskirche St. Trinitatis. Musikerpersönlichkeiten wie Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach musizierten und komponierten hier. Unter dem Altarraum befindet sich die Familiengruft der Herzöge zu Sachsen-Weißenfels, die jeden letzten Sonnabend im Monat besichtigt werden kann.
Etappe 2: Weißenfels – Merseburg (Saaleradweg)
Die zweite Etappe führt von Weißenfels entlang des Saaleradwegs nach Merseburg mit seinem Dom-Schloss-Ensemble. Nach Weißenfels begleitet der Radweg die Saale vorbei an grünen Wiesen und dichten Wäldern. Radfahrer:innen können hier die Ruhe der Natur genießen, bevor sie Merseburg mit seinem architektonischen Erbe in Empfang nimmt. Der Dom St. Johannes und St. Laurentius beeindruckt nicht nur mit Domschatz und der Ladegastorgel, die regelmäßig zum Orgelklang 12 erklingt, sondern zeigt im Handschriftengewölbe eine aktuelle Sonderausstellung zu „Heinrich II. und Merseburg“. Das Kulturhistorische Museum Schloss Merseburg widmet sich in mehreren Ausstellungen der reichen Geschichte der Stadt. Ein exklusives Erlebnis ist die virtuelle Erkundung des Merseburger Spiegelkabinetts, der Schatzkammer Merseburger Herzöge.
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