Jakobsweg Tag 9 - Rabanal del Camino - Trabadello

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Tag 9 - Rabanal del Camino nach Trabadello

Montag, 18. Mai 2009
- von Gaby -

Tag 9 - Rabanal del Camino nach Trabadello

Neues Leben im Geisterdorf

Start in Rabanal

Im kleinen Strassendorf Rabanal del Camino am Fuß der "Montes de Leon" starten wir wie immer puenktlich um 9 Uhr in Richtung Cruz de Hierro, dem hoechsten Punkt der Reise.

Auf diese Etappe freue ich mich besonders, weil sie durch das kleine Pueblo Foncebadon fuehrt, das wir von unserer ersten Jakobs-Reise vor 13 Jahren besonders gut im Gedaechtnis haben. Richtig unheimlich war das damals: Absolute Stille, kein Leben und die alten Steinhäuser wirkten, als hätten die Bewohner kurz zuvor fluchtartig den Ort verlassen. Bin gespannt, was uns heute dort erwartet.

Pause

Gleich hinter Rabanal fuehrt der Weg steil bergauf. Das ist ganz gut so, denn es ist wieder bitter kalt heute morgen. Auf einem gestampften Lehmboden - glatt wie ein Kinderpopo - fuehrt der Camino durch einen Tunnel dichter bluehender Buesche mit weißem und gelbem Ginster. Ein kleiner blauer Schmetterling begleitet mich minutenlang. Ansonsten bin ich alleine unterwegs. Vor mir fahren unsere Cracks Manne, Haegges und Mario. Ich sehe sie als kleine Punkte vor mir auf dem Berghang. Hinter mir - und das ist ungewoehnlich - folgen Walfisch, Axel und Norbert.

Einfach nur da sitzen!

Alles passt. Der Weg ist genial und es gibt kaum Schiebepassagen. Meine Beine funktionieren einwandfrei und auch mein Rad läuft wie eine Eins. Alles prima also - so prima, dass ich wahrscheinlich demnaechst mit meinem Fahrrad reden, ihm einen Namen geben und ihm einen Sack Hafer um den Lenker haengen werde. Ein bisschen riecht das Bike auch schon nach Esel. Das liegt wohl an den Reifen, die jede Menge unbekannte Substanzen zwischen den Stollen sammeln. Die Schmerzen sind auch komplett weg. Kein Problem mehr beim Sitzen.

keine Pause - zu schoen

Dann ploetzlich nach einer Kuppe taucht "mein" Dorf auf. Foncebaldon! Ich erkenne es sofort wieder an seinem markanten Glockenturm. Mitten in der Ortseinfahrt liegt ein riesiger zotteliger Hund und versperrt mir den Weg, weil ich in Bezug auf Vierbeiner etwas (sehr) aengstlich bin. Ich koennte außen um das Dorf herumfahren, aber das waere bitter, denn ich hatte mich ja so auf den Ort gefreut. Also hoffe ich, dass er "nicht spielen will" und wage mich mit klopfendem Herzen und Adrenalin im Blut vorbei.

Es interessiert ihn nicht die Bohne. Glueck gehabt. Ich genieße die Fahrt durch das immer noch ruhige Dorf. Aber es hat sich etwas getan: die schlimmsten Ruinen sind weg, ich sehe Menschen auf den Feldern ringsum und einige Häuser wirken einladend und bewohnt. Rechts am Wegrand hat jemand eine kleine Bar mit Hostal fuer die Pilger eingerichtet und die Bewohner grueßen freundlich und wuenschen mir einen Buen Camino.

Das ist die andere - die positive - Seite der touristischen Beliebtheit des Camino. (Siehe "Zwischengedanken"). Klar ist nicht mehr alles ganz so romantisch wie 1996 - aber von Romantik koennen die Leute dort eben nicht leben. Fuer Touristen ist es ja ganz nett, wenn alte Menschen gemuetlich auf dem Baenkchen sitzen und den Wanderern zulaecheln. Aber damals waren sie allein. Kaum Kinder oder junge Erwachsene waren zu sehen. Heute ist es in den meisten Doerfern, durch die wir gefahren sind, anders: Neue Wohnhäuser entstehen, alles wirkt nicht mehr so arm... Und mit jedem Cafe Leche und jeder Uebernachtung in einem Pueblo leisten die Pilgerscharen ihren Beitrag zu einem "gesunden" Dorfleben. Und letztlich hat jeder das Recht, diesen Weg zu nutzen.

Aber weiter: Ich erkenne sogar den Wassertuempel wieder, den wir damals zur Loch-Lokalisierung von Peters platten Reifen (der wievielte war es?) nutzten. Heute kann ich drueber lachen, damals war es aber echt nervig.

Der letzte Anstieg zum Kreuz auf ca. 1.800 Metern geht steil aber fahrbar weiter auf sehr gutem Untergrund. Und da steht es dann mitten in einer bunten Schar von Windjacken, Rucksaecken und Menschen, die mit Sicherheit nicht aus eigener Kraft hier hochgekommen sind. Okay, vielleicht hatte Walfisch doch Recht.

Zum Thema Menschenmassen - seht Ihr den Bus?

Wir steigen auf den Berg aus Steinen, die rund um das Kreuz abgelegt wurden. Sie kommen aus aller Welt, denn viele Pilger bringen einen Stein aus ihrer Heimat hierher und legen ihn dort unter das Kreuz. Das Ritual soll von den Suenden befreien, Symbol fuer das Ablegen von Sorgen sein oder man kann sich etwas wuenschen. Ich habe auch einen Stein aus unserem Garten dabei. Einen ganz kleinen - aber ich habe ja auch nur kleine Suenden begangen, nur kleine Sorgen und auch nur ganz kleine Wuensche :)

Ankunft am Cruz de Hierro, dem hoechsten Punkt der Reise

Nach dem Pflichtfoto unter dem Kreuz entfliehen wir schnell dem bunten Treiben. Auch weil der Wind wieder kaelter und staerker wird. Es geht noch bisschen bergauf und dann folgt die Abfahrt. Außer Mario fahren wir das größte Stueck in einem Affenzahn auf der Straße bergab. Weiter unten warten wir auf ihn und er kommt strahlend vor Glueck aus dem Gebuesch: "Ihr habt das schoenste Stueck Camino verpasst".

Es geht weiter abwaerts und dann passiert es einfach. Um es gleich vorwegzunehmen: Axel geht es gut.

Mitten auf einem kleinen Dorfplatz hat ein Auto seinen Weg gekreuzt und beide waren zur gleichen Zeit am gleichen Ort. Axel stuerzt, prellt sich leicht die Huefte und ist ansonsten aber wohlauf. Das Rad (zwei Wochen alt) ist hin. Die Scheibenbremse vorne ist verbogen und die Gabel auch. Die Dorfbewohner rufen Polizei und Ambulanz (fuer alle Faelle) und nach ungefaehr einer Stunde koennen wir mit Protokoll in der Tasche weiterrollen. Der Autofahrer hatte keinen Heimvorteil, denn auch die Polizisten sind ueberzeugt, dass Axel keine Schuld hat.

Ich begleite Axel mit seinem kaputten Rad bis wir in Ponferrada unsere Autofahrer treffen, die uns bis zum Zielort Trabadello mitnehmen.

Ponferrada

Der Rest teilt sich den Weg in zwei Gruppen. Haegges, Walfisch und Norbert fahren entlang des Tales relativ gemuetlich weiter. Die beiden Brueder Mario und Manne haben heute "ihren Tag" und wollen gar nicht mehr aufhoeren. Sie biegen hinter Villafranca del Bierza auf den Hoehenweg ab, auf dem wir uns vor 13 Jahren so verfahren haben, dass alle (damals) acht Fahrer sich noch lebhaft erinnern. Luftlinie hatten wir gerade mal 6 Kilometer in rund 5 Stunden erledigt!

Ankunft am Zielort in Trabadello...

...und es ist wieder richtig kalt

Die beiden machen es besser und erreichen voellig ueberwaeltigt von dem heutigen Tag unser kleines Hostal. Der Abend endet mit Led Zeppelin und Stairways to Heaven samt Luftgitarre in der kleinen Bar. Wir sind - trotz Unfall - froh, denn das haette schlimmer ausgehen koennen.

Luftgitarre und Led Zeppelin: wie in alten Zeiten

(War ein bisschen lang heute, aber es gab einfach viel zu erzaehlen)

Etappendaten folgen.....

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