Jakobsweg Tag 5 - Casteldelgado - Burgos

Anzeige
Header background

Tag 5 - Casteldegado - Burgos

Donnerstag, 14. Mai 2009

- von Walfisch -

Immer noch keine Panne...

Trucker-Hotel in Casteldegado

Hallo, erst einmal... ich weiß gar nicht, ob ihr es wusstet... aber als wir vor 13 Jahren das erste Mal den Camino fuhren, hatten wir am fünften Tag, und von dem berichte ich heute, schon mindestens fünf oder sechs Plattfuesse zu verzeichnen. Für all diejenigen, die noch nie Fahrrad gefahren sind: Ich meine damit natürlich Reifen ohne Luft, und das von nur einem Menschen. Er lebt heute in Mössingen, faehrt seit dem nur noch Rad mit unkaputtbaren Reifen und hat sich hauptsächlich aufs Kinderzeugen konzentriert. Kleiner Scherz nur...:o)) Ich spreche von unserem Freund Pannenpeter, kurz Papé, der seitdem so heißt. Herzliche Grüße übrigens.

Aber kommen wir zum heutigen Tag. Wir haben leider ein Hotel, in dem es nicht nur kein vernünftiges, sondern überhaupt kein Fruehstueck gibt und so entschliessen wir uns nach Belorado zu fahren. Gut zehn Kilometer entfernt, bergauf und -ab und selbstverständlich gegen den Wind. So richtig zu fruehstücken gelingt es uns da allerdings auch nicht, aber immerhin haben wir etwas im Bauch.

 Fruehstueck in Belorado

Der Tag heute soll nach Burgos führen, gut 70 Kilometer entfernt. Eigentlich kein Thema, wenn nur  diese Unebenheiten nicht im Weg waeren. Aber was soll's. Ohne wuerde es auch gar keinen Spaß machen. Da ich aber heute ueberhaupt nicht zu Spaeßen aufgelegt bin, entscheide ich mich, den ersten „Huegel“ von 1150 Höhenmeter, auf asphaltierter Strecke zu überqueren.

Das ist zwar genau so hoch wie auf dem Original-Camino, aber schlichtweg einfacher. Und warum schwer, wenn es auch einfach geht? Oben angekommen, entscheide ich mich kurzfristig, doch wieder den richtigen Weg zu fahren. Hätte ich mir bloß noch fuenf Minuten mehr Zeit gegeben. Die Steigung, die kurz darauf folgen sollte, hat mich kurzfristig an meine koerperlichen Grenzen gebracht. Ein Wahnsinn. Gefuehlte 100 Prozent Steigung. Ich entscheide mich wieder fuer die Straße. Sollen die anderen doch machen, was sie wollen... ich mach', was ich will...

Das hatte zur Folge, dass ich zirka eine Stunde frueher in Burgos bin, als der Rest der Mannschaft und ich waehrend der Wartezeit furchtbar gefroren habe. Strafe muss sein. Schließlich ist der Jakobsweg auch ein Büßerweg. Und nachdem ich Buße getan habe, ist meine Entscheidung fuer die Zukunft: Nie wieder werde ich meine Freunde verlassen und nur an mich denken. Mal sehen, wie lang das anhält...:o)

Uebrigens: Eben sitze ich mit unserem ehemaligen Banker Norbert zusammen und er fragt mich so beiläufig, wie eigentlich der gestrige Tag verlaufen ist. Ich mach' es kurz: Keine Ahnung. Absolut keine Ahnung. Er hilft mir auf die Spruenge und gibt zu, dass er es auch nicht mehr wusste. Bitter, oder?

Woran liegt es? Ist alles zu anstrengend? Haben wir keinen Blick mehr fuer das Wesentliche? Kurzzeitgedaechtnis gleich Null? Ich weiß es nicht. Auf alle Faelle werden wir fuer uns noch zusaetzlich ein Tagebuch fuehren, denn es waere einfach zu schade, alles zu vergessen. Dafuer ist es einfach zu schoen, auch wenn es anstrengend ist. 

You can take table one

Und jetzt ich noch kurz, mit meinen Eindruecken (Gaby). Das ist fuer mich definitiv der schoenste Tag auf der bisherigen Fahrt: Es ist zwar anstrengend und einige Schiebepassagen sind dabei. Und obwohl der Himmel dunkelschwarz ist, hat der heilige Jakob ein Einsehen. Wir fahren immer in Richtung des einzigen Stueckchens blauen Himmels. Dann die Hochebene weit vor Burgos: orangefarbener Lehmboden, pinkfarbene Pflanzen rechts und links (es ist wohl Erika, meinen unsere semiprofessionellen Botaniker) und ein genialer Pfad mitten durch ein kleines Wäldchen. Alles passt, keine Sitzprobleme mehr, nichts tut weh und die Kraft ist auch wieder da. Nur: jede Menge Fuß-Pilger belagern die Strecke und zwingen uns zu kleinen Slaloms. Buen Camino, buen Camino.... es hört gar nicht mehr auf. Kuehl ist es auch. Eigentlich kalt. Mir egal, denn ich bin ausgeruestet wie fuer eine Skitour in den Alpen. Was musste ich mir alles anhoeren von den Besserwissern am Morgen. Aber gefroren haben dann die! Auch den Hagelschauer kurz hinter Burgos habe ich weggesteckt ohne einen Hagelschaden auf den Oberschenkeln. Alles Bestens bis hier.

Jetzt sind wir in einem kleinen Vorort von Burgos, haben ein super Quartier und freuen uns auf die naechsten Tage.

Tagesetappe

ca. 80 Kilometer, Fahrzeit ca. 4,45 h, ca. 800 Hoehenmeter, ca. 720 Abfahrtsmeter

Anzeige

Mehr als 1.800  Seiten für Fahrrad-FahrerInnen. Jede Menge Tipps und Infos rund ums Radfahren und Radreisen.

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

• Regelmäßige Radtouren-Infos
• Jederzeit abbestellbar
• Schon über 2.700 Abonnenten

E-Mail-Adresse eingeben und immer auf dem Laufenden bleiben:

E-Bike-Ratgeber

Spezielle Tipps rund um das Thema E-Bike.

Anzeige