Trauminsel Taiwan Teil2

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Die Ostküste

Fünfter Tag (Fengshan – Chilpen, 90 km, eine große Steigung 500 Höhenmeter)

Nach einigen Kilometern hielten Thomas, A-Chung und ich an, um uns von allen anderen zu verabschieden, die heute bis nach Eluanbe am südlichsten Ende weiterfuhren. Von dort aus wollten sie den Zug zurück nach Taipeh nehmen.

Wir waren jetzt zusätzlich mit zwei wasserdichten Packtaschen ausgestattet, in welche wir alle unsere Habseligkeiten verstaut hatten, die wir für die nächsten Tage benötigten. Wir folgten einer kleinen Straße, welche die Insel von Westen nach Osten quert. Juchhu! Endlich ging es in die Berge!

An der Passhöhe angekommen machte ich Halt und fotografierte einen der vielen streunenden Hunde. Diese sind mir zwar nie bedrohlich nahe gekommen trotzdem bin ich froh, dass ich mich gegen Tollwut habe impfen lassen. Die lange Abfahrt entschädigte uns für den anstrengenden Aufstieg.

Sechster Tag (Chilpen – Wuhao, 120 km, viele kleine Steigungen)

Es machte viel mehr Spaß an der Ostküste zu radeln, da es weniger Verkehr gibt und die Straße durch weniger besiedelte und natürlichere Landschaften führt. Außerdem bringen die vielen kleinen Anstiege und Abfahrten Abwechslung.

Mehrmals hielten wir, wie auch in den folgenden Tagen, an einem der vielen kleinen Straßenstände und kauften uns eine der vielen frischen exotischen Früchte (Buddhistenkopf, Melonen, Bananen, Guava, Fon-Lon Kaktusfrucht, Süßkartoffeln, Taro, ...), die wir uns in der Regel sofort am Straßenrand schmecken ließen. Genial, was man so alles auf einer Radtour verputzen kann.

Am Ziel der heutigen Etappe angekommen, erwartete mich noch eine angenehme Überraschung. Direkt zum Hotel gehörend gibt es eine heiße Quelle und nachdem wir unser Gepäck auf dem Zimmer verstaut hatten, begab ich mich schnurstracks in das dazugehörige Bad im Freien. Die Außentemperaturen waren angenehm, leichter Nieselregen fiel und ich genoss als einziger Badegast die unterschiedlich temperierten und z. T. von der heißen Quelle gespeisten Becken. Anschließend gab es noch ein üppiges Abendessen aus Spezialitäten der Ureinwohnerküche.

Siebenter Tag (Wuhao – Tailuka, 113 km, mehrere kleine Steigungen)

Das Streckenprofil war eher flach und wir kamen gut voran. Gelegentlicher feiner Nieselregen, die Auswirkungen eines Taifuns, der Richtung Japan abgedreht hatte, war wieder unser Begleiter. Ich war richtig froh darüber, denn es ist für mich als Europäer angenehmer, als unter der gleißenden Sonne zu radeln. Schon am frühen Nachmittag erreichten wir unseren Zielort Tailuka. Dieser liegt am Ausgang der Tarokoschlucht, nach welcher der dazugehörige Nationalpark benannt ist.

Im Hotel gelang es Thomas, einen Fahrer zu organisieren, der unsere Fahrräder auf einem Lastwagen viele Kilometer die Schlucht bergauf transportierte. Von dort aus fuhren wir, einer engen und kurvenreichen Straße folgend, abwärts. Unterwegs hielten wir oft an, um die atemberaubenden Ausblicke zu genießen und viele Bilder zu machen. Die Berge sind viel schroffer als in Europa und der Fluss hat sich tief in das helle Gestein eingeschnitten.

Gegen Ende der Fahrt setzte ein Dauerregen ein und Thomas war deshalb besorgt, was die Fahrt am nächsten Tag betraf, denn diese sollte entlang der Küstenstraße führen, die in steile Berghänge getrieben wurde. Bei entsprechenden Wetterbedingungen kann es dann zu Stein- oder Schlammrutschungen kommen.

Achter Tag (Tailuka – Ilan, 78 km, 3 größere Steigungen a 250 Höhenmeter)

Zum Glück hörte es über Nacht auf zu regnen und wir konnten unsere Fahrt wie geplant fortsetzen. Auf der Straße begegneten uns viele Touristenbusse und wir passierten einige Stellen, an denen Arbeiter mit Schaufeln versuchten, die Straße von Geröll oder Schlamm zu befreien.

Zur Abwechslung lagen einige Tunnels auf der Etappe. Da wir während unserer Tour an den Fahrrädern nur ein Vorderlicht hatten und hinten lediglich einen Reflektor, war mir bei der kilometerlangen Durchfahrt ein wenig mulmig zumute. Zum Glück waren die Götter gnädig mit uns. Inzwischen sind übrigens alle Räder mit einer kompletten Beleuchtungsanlage ausgestattet!

Neunter Tag (Ilan – Taipeh, 80 km, 2 große Steigungen, 500 u. 350 Höhenmeter)

Die Entfernung ist kurz, aber die Steigungen hatten es in sich. Gleich auf der ersten begegnete uns ein Mann, der sehr einfach gekleidet war, und die ganze Insel zu Fuß umwandern wollte.

Ein paar Freunde von Thomas waren in Taipeh los geradelt, um uns in Pinglin zu treffen. Dies ist eine kleine Stadt in den Bergen und bekannt für seinen guten Hochlandtee. Nach der Mittagsrast gingen wir in eines der vielen Teehäuser und ich wurde Zeuge der Jahrtausende alten Teezeremonie.

Das Ende der Etappe und der gesamten Tour war das Chiang-Kai-Shek Denkmal im Zentrum von Taipeh. Dieser Monumentalbau diente der Erinnerung an den langjährigen Militärdiktator der Insel. Über dessen historische Verdienste oder Verbrechen ist die taiwanesische Gesellschaft nach meiner Erfahrung aktuell tief gespalten. An dem Eingangstor erwarteten uns Familie Huang und ein paar Radler vom ersten Teil der Tour mit Kuchen und Getränken. Was für eine nette Überraschung und wie schade, dass die Radtour hier schon zu Ende war.

Nachlese

Den Abschluss feierten wir ein oder zwei Tage später, frisch geduscht in einem Restaurant. Dort tauschten wir gutgelaunt Erinnerungen und Fotos aus und zu guter Letzt erhielt ich von Herrn Huang eine Urkunde, die auf Chinesisch bestätigt, dass ich mit „Schweiß und Ehre“ um die ganze Insel geradelt bin.

Text und Fotos: Norbert Thüringer

Nützliche Informationen

Reiseführer

Werner Lips: Taiwan, 6. Auflage 2013, Reise Know-How
Robert Kelly, Chung Wah Chow: Taiwan, 2014, Lonely Planet

Impfungen

Eine Beratung von einem Reise- oder Tropenmediziner halte ich für empfehlenswert:

Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin mit Links zu den Tropenmedizinischen Institutionen: http://www.dtg.org

Deutscher Fachgesellschaft für Reisemedizin mit Ärzteliste: www.fachgesellschaft-reisemedizin.de

Ein- und Anreise

Gültiger Reisepass; für Deutsche ist ein Visum zur Zeit erst ab einem Aufenthalt von mehr als 30 Tagen erforderlich.

Direktflug von Frankfurt – Taipeh (z.B. China Airlines) in ca. 13,5 Stunden

Klima

Norden: subtropisch
Süden: tropisch

Sprachen

Chinesisch, Taiwanesisch und Englisch

Essen

äußerst vielfältig, reichhaltig und schmackhaft

Straßenverhältnisse

Die Straßenverhältnisse entsprechen europäischem Standard.

Verkehr

in den Städten sehr dicht, aber rücksichtsvoll

Unterkunft

Hotels der Mittelklasse

Veranstalter

Bicycling in Taiwan
Internetseite: www.bit.org.tw
E-Mail: bikefamily02@gmail.com
Organisiert die Tour perfekt und stellt Tourenfahrräder in guter Qualität zur Verfügung

Die Autorin Christine Amrhein

Die Autorin, Dr. Christine Amrhein, hat Psychologie studiert und in diesem Fach auch promoviert. Seit 2007 arbeitet sie als freie Journalistin, hauptsächlich als Wissenschaftsjournalistin. Reisen und Fahrradtouren machen ihr große Freude. Und so schreibt sie auch gerne zu diesen Themen.

Alle Angaben wurden von Hayit Medien und radtouren.de nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Text/Fotos: Norbert Thüringer (c) copyright, Alle Rechte vorbehalten

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