An Mangfall und Inn nach Wasserburg

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Kleines Pfadfinder-Abenteuer: An Mangfall und Inn nach Wasserburg

Sie gilt als einer der schönsten Flüsse des Voralpenlands: die Mangfall, die von ihrer „Quelle“ am Tegernsee in flotten Kaskaden durch das wilde Mangfalltal fließt. Später plätschert sie gemütlich am Alpenrand entlang, bis zu ihrer Mündung in den Inn bei Rosenheim. Wer Lust hat, radelt von hier am breiten, ruhigen Inn entlang weiter bis ins malerische Wasserburg.

Wenn man an einem Morgen im Oktober in Gmund aus der Regionalbahn steigt, erwischt man vielleicht einen typischen Föhntag: stürmisch, aber sehr mild, mit glasklarem Blick auf den Tegernsee und die von buntem Herbstlaub überzogenen Alpen. An der Seepromenade, wo die kleine Mangfall aus dem See herausfließt, beginnt die Tour: zunächst an hübschen Holzhäuschen am Flussufer entlang, dann aus dem Ort heraus und auf einer kleinen, fast autofreien Landstraße durch den Wald Richtung Thalmühl. Neben der Straße rauscht die Mangfall in Stromschnellen und Staustufen flott talwärts, zahlreiche Mühlen und Papierfabriken säumen den Weg. Ebenso flott saust man mit dem Rad bergab – und es kann sein, dass sich das Wetter schlagartig ändert: Im Wald ist es auf einmal frostig-kalt und der Wind ist vollkommen verschwunden.

Von Thalmühl geht es ein kurzes Stück an einer verkehrsreichen Straße entlang bis zur winzigen Siedlung Müller am Baum. Hier beginnt ein breiter Schotterweg, der durch dichten Wald Richtung Thalham führt – immer in Reichweite der Mangfall, die sich hier aber oft hinter dichtem Gehölz versteckt. Bald taucht das Wasserschloss Reisach am Wegesrand auf. Eigentlich ist es nur ein kleiner, runder, aber hübscher Pavillon, der Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut wurde. Denn an dieser Stelle bildet der undurchlässige Untergrund eine Art Trichter, in dem seitdem das Grundwasser für die Münchner Wasserversorgung gesammelt wird.

In vielen Kaskaden durch eine wilde Schlucht

Ab dem Örtchen Thalham beginnt der beeindruckendste Teil der Mangfall-Tour: Hier führt der Weg in einer tiefen, bewaldeten Schlucht direkt am Wasser entlang. Immer wieder tauchen eindrucksvolle Felsformationen am Wegesrand auf und die Mangfall plätschert in zahlreichen kleinen Kaskaden munter abwärts. Bei Mühltal unterquert der Radweg eine hohe Autobahnbrücke und „endet“ beim urigen Waldrestaurant Maxlmühle.

Von hier führt nur noch ein Wanderweg weiter am Fluss entlang. Mit dem Rad muss man sich einen längeren, steilen Anstieg am Hang hinauf quälen. Belohnt wird die Mühe mit einem Rundblick über die weite Ebene oberhalb des Mangfalltals. Und ein Blick nach unten macht deutlich, wie tief sich der schmale Einschnitt der Schlucht in die Umgebung eingegraben hat. Auf einer kleinen, nahezu autofreien Straße geht es nun durch saftig-grüne Wiesen am Rand der Mangfallschlucht entlang, durch die kleinen Dörfer Valley und Hohendilching mit ihren hübschen Kirchen bis zum Weiler Grubmühle.

Es folgt ein kleines Abenteuer: An dieser Stelle macht die Mangfall einen langen Knick und ändert ihre Flussrichtung von Nord nach Südost. Auf der Westseite führt ein kleiner Weg am Fluss entlang – kein offizieller Radweg, aber laut Karte sieht er befahrbar aus. Zunächst geht es auf einem breiten, etwas holprigen Forstweg durch den Wald, dann durch hohe Wiesen am Flussufer entlang. Nach einer Weile wird der „Trail“ immer schmaler und ist von schlammigen Stellen und Wurzeln durchsetzt. Es bleibt nichts anderes übrig, als ein paar Mal zu schieben. Schließlich mündet der „Pfadfinderweg“ in eine schmale Schottertrasse neben den Bahnschienen – und bald ist wieder eine Straße erreicht. Nach einer kurzen, anstrengenden Steigung taucht kurz darauf das hübsche Schloss Altenburg auf.*

* Alternativ folgt man der Straße oberhalb der Mangfall von Grubmühle nach Aschbach, die allerdings über einen Hügel führt.

Feinste Badestrände und mehr

Von einer Aussichtsplattform am Wasser bietet sich ein schöner Ausblick auf die von gelben und roten Herbstbäumen umrahmte Mangfall und den bleigrauen Inn. Es ist noch früh am Nachmittag, und das schöne Städtchen Wasserburg liegt nur noch 30 Kilometer entfernt. Die Strecke führt die ganze Zeit am Inn entlang– und ist in ein paar Stunden problemlos zu bewältigen.

Auf einem breiten Schotterweg radelt man am Westufer des fast unwirklich ruhigen Inn entlang, passiert große, von Schilf überwachsene Flutbecken, quert blühende Wiesen und folgt längere Zeit einem alten Damm. An einer Brücke bei Edenberg teilt sich der Weg: Hier kann man sowohl am West- als auch am Ostufer nach Wasserburg gelangen. Die etwas kürzere Strecke auf der Westseite führt zwar ein Stück an einer verkehrsreichen Straße entlang. Dafür taucht bald in der Ferne das imposante Kloster Attel auf, das hoch auf einem Hügel über dem Inn thront. Unterhalb führt der Radweg im Bogen wieder zurück zum Fluss, wo man eine Weile über Wurzeln und Steine durch den Wald holpert. Hinter einem großen Stauwehr sind schließlich die ersten Häuser von Wasserburg zu sehen – und bald ist die Wasserburger Innbrücke erreicht. Von hier eröffnet sich ein malerischer Blick auf die Altstadt, die fast wie auf einer Insel in einer u-förmigen Schleife des Flusses liegt.

Spektakuläre Kulisse im Sonnenuntergang

Ein Getränk im Café neben der Brücke sollte man sich nicht entgehen lassen: Hier kann man die letzten Strahlen der Sonne genießen, während der Blick über die Kulisse der Altstadt mit dem bemalten Brucktor und den treppenförmigen Giebeln der Burg schweift. Aber auch ein Bummel durch die Altstadt lohnt sich: In den schmalen Sträßchen stößt man an jeder Ecke auf ein historisches Gebäude: die Marienkirche, das Alte Rathaus, die Burg mit der Burgkapelle St. Ägidius, das Alte Mauthaus oder den Hungerturm.

Der Abschluss der Tour ist leider etwas komplizierter als gedacht: Der Bahnhof von Wasserburg liegt nicht in der Stadt, sondern etwa vier Kilometer außerhalb im Vorort Reitmehring. Unterwegs kann es passieren, dass man sich im Gewirr zweier großer Bundesstraßen verirrt, die scheinbar den Zugang nach Reitmehring versperren. Über eine große Brücke geht es schließlich über die B15, dann ist auch bald der Bahnhof erreicht – vielleicht gerade noch rechtzeitig, um den nächsten Zug nach Rosenheim oder München zu erwischen.

Text und Fotos: Christine Amrhein

Praktische Infos

Angaben zur Route

Gesamtstrecke: 90,5 km
reine Fahrzeit: ca. 6,5 Stunden

Gmund – Aschbach: 30,5 km
Aschbach – Rosenheim: 31 km
Rosenheim – Wasserburg: 29 km
Wasserburg – Bahnhof Reitmehring: 4,5 km

Beste Jahreszeit

Die Radtour ist im Frühjahr, Sommer und Herbst, von etwa Ende März bis Ende Oktober möglich.

Öffentliche Verkehrsmittel

von München nach Gmund: mit Regionalbahn, Dauer ca. 1 h; Verbindung alle 30 bis 60 Min.
von Wasserburg nach München: mit Regionalbahn über Rosenheim oder Grafing, Dauer ca. 1 h, 5 Min., Verbindung etwa 2 mal pro Stunde

Infos zur Mangfall

Die Mangfall ist ein 58 Kilometer langer Fluss im Voralpenland, der am Tegernsee beginnt und in Rosenheim in den Inn mündet. Zunächst fließt die Mangfall nach Norden, macht jedoch am Mangfallknie bei Grub einen Knick um 135 Grad und fließt ab hier in südöstlicher Richtung bis nach Rosenheim.

Sehenswürdigkeiten entlang der Route

Gmund, Tegernsee
schöner Blick über den See und die Kulisse der Alpen
Touristen-Information

Aschbach
Schloss Altenburg: mittelalterliche Burg mit 4 Flügeln

Rosenheim
historisches Stadtzentrum mit Stadtpfarrkirche St. Nikolaus, Heilig-Geist-Kirche, Loretto-Kapelle

Städtisches Museum (Infos zu Stadtgeschichte und Innschifffahrt):
Ludwigsplatz 26
83022 Rosenheim
Tel. 08031-365-8751

Ausstellungszentrum Lokschuppen (wechselnde Ausstellungen)
Rathausstraße 24
83022 Rosenheim
Tel. 08031-365 9036
lokschuppen@vkr-rosenheim.de

Touristen-Information

Wasserburg
historisches Stadtzentrum mit Brucktor, Rathaus, Stadtpfarrkirche St. Jakob, Burg, Altem Mauthaus Hungerturm, Rotem Turm

Museum Wasserburg (religiöse Gemälde und Skulpturen, altes Handwerk, alte Bauernmöbel)
Herrengasse 15
83512 Wasserburg a. Inn
Tel. 0871-925290

Touristen-Information

Unterkunft

am Tegernsee

Gasthof am Gasteig & Ferienwohnungen, Münchner Str. 14, Gmund, Tel. 08022-7378
Hotel Garni Sonnenhof, Sonnenmoosstr. 20, Rottach-Egern, Tel. 08022-5812

in Wasserburg

Pension Queens, Salzburger Str. 1, Tel. 08071-9227942
Huberwirt am Kellerberg, Salzburger Str. 25, Tel. 08071-7433

Änderungen aufgrund der aktuellen Corona-Situation sind möglich. Am besten erkundigt man sich direkt vor Ort.

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