Jakobsweg - Gedanken zwischendurch

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Commerz auf dem Jakobsweg

Gedanken zwischendurch
- von Walfisch -

Heute ist Sonntag, der 8. Tag. Fast vorbei, aber immer noch präsent. Es ist kalt, wie schon den ganzen Tag. Die letzten Sonnenstrahlen geben sich größte Mühe, noch ein bisschen Waerme in das Tal vor den schneebedeckten Bergen zu senden. Aber leise verabschieden sie sich mit einem, so scheint es jedenfalls, Trauerflor. Als wollten sie zeigen, wie schade sie es finden, uns heute nicht wirklich gewaermt zu haben. Einige Pilger stehen in ihren dicken Jacken vor der Tür des wunderschönen Hostals in Rabanal del Camino. Sie unterhalten sich, zum Teil angeregt, über den Camino. Über das, was sie erlebt haben, über ihre Zipperlein, die zwangsläufig auftreten. Philosophieren über dieses oder jenes.

Ich habe mich heute morgen kurzfristig entschieden, das Rad in unser Begleitfahrzeug, den Kia Carnival, zu laden und mich fahren zu lassen. Axel hatte unabhaengig von meiner Person den gleichen Gedanken und verwirklichte ihn genau so wie ich. Von daher kann ich nun gar nichts über die Schoenheiten der Landschaft erzaehlen. Nichts ueber die Muehen, die man hat, wenn man sich auf dem Rad über Geroell und unebenen Sandboden Kilometer um Kilometer Richtung Santiago quaelt. Das macht heute Norbert.

Der Grund für mein Schwaecheln heute ist ein einfacher: Der gestrige Tag mit seinen gut 80 Kilometern, die wir alle bei unglaublichen Gegenwind bewaeltigen mussten und meine schon fast beaengstigende Schlaflosigkeit. Obwohl ich unheimlich kaputt war, ist es mir im Moment nicht gegoennt, einschlafen zu koennen. Heute morgen sah ich aus wie ein Monster. Okay, das wird an anderen Tagen auch behauptet, aber heute Morgen war es wohl besonders schlimm.

So kam ich aber wenigstens dazu, die letzten Tage ein wenig Revue passieren zu lassen. Wie wahrscheinlich einige von euch schon wissen, haben vier von uns vor dreizehn Jahren diesen Weg schon einmal hinter sich gebracht. Damals waren wir wirklich fast allein unterwegs. Hier und da  pilgerten vereinzelt Suchende, aber wirklich nur vereinzelt. Doch das, was wir heute auf diesem Weg erleben, haut einem tatsaechlich die Hutkrempe auf die Schultern. Ich möchte weder etwas beschoenigen noch schlecht reden, aber diese Menschenmassen, die sich mittlerweile den Camino entlang waelzen, machen die Reise fast zur Qual. Und wir sind noch nicht einmal in der Saison unterwegs.

Klar sind wir freundlich und grueßen. Das geht ungefaehr so: Hola, Buenas Dias y buen Camino - das ist die Langversion. Und vielleicht noch ein Gracias, wenn ein Gruß zurueck kommt. Nach der naechsten Pilgergruppe dann noch ein Hola y Buenas Dias, bei der naechsten dann nur noch ein Hola und die letzten hoeren gerade noch ein muedes La!

Ich habe das Thema heute Abend bei Wein, Brandy und Zigarre angesprochen. Als wenn ich in ein Wespennest gestochen haette, entwickelte sich sofort eine durchaus heftige Diskussion. Der Tenor war, dass die Schoenheit des Caminos zwar immer noch bemerkenswert ist, aber nicht mehr so ursprünglich. Vieles ist, so scheint es jedenfalls, mit EU-Geldern begradigt worden. Zum Teil fast schon steril.

Wir haben Autobahnen überquert, die aussehen, als waere die Zeit zurueck gedreht worden. Wie 1972 zur Oelkrise. Da befanden sich auch keine Autos auf den Straßen. Und voellig neue Wege, nur fuer die Pilger, wurden gebaut. Manchmal gruselig gerade. Wir erkennen kaum etwas wieder. Nur markante Punkte.

- ohne Worte -

Guenstig uebernachten ist kaum noch möglich. Jeder versucht seinen Saeckel zu fuellen. Sogar im Kloster muessen 50 Euro berappt werden. Wahnsinn! Fuer eine Nacht. Für ein Bett! Da kann man sich Begruendungen herbeireden, so viel man will. Das ist einfach frech. Man kann es bezahlen,  muss es aber nicht. Genau so, wie ich auch noch weiter schreiben koennte, aber nicht mehr will. Ich bin muede und morgen habe ich einen schweren Tag vor mir. Denkt an mich...:o))

 

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