Update September 2022

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Update September 2022 aus Pakistan

Polizei-Eskorte, Überschwemmung, Höhenkrankheit & Bären

Neues Land, neue Abenteuer – und das wirklich jeden Tag. Wir haben mit unseren Rädern Pakistan erreicht, das Land Nummer 20 unserer Fahrrad-Weltreise. Bereits nachdem wir die iranisch-pakistanische Grenze mit unseren voll beladenen Reiserädern passiert hatten, wurde es interessant. Unsere Pässe wurden erneut kontrolliert, wir wurden von einem pakistanischen Grenzhaus zum nächsten geschickt, an dem unsere Namen und die unserer Eltern notiert wurden. Dann wurden wir von einem Mofafahrer zum angrenzenden Polizeirevier eskortiert, wo wir die Nacht verbringen sollten. Die nächsten Tage wurden wir und unsere Räder auf Pickups verladen und wir wurden von bewaffneten Polizisten durch ganz Baluchistan gekarrt. Aus Sicherheitsgründen darf sich in dieser Region kein Tourist frei und ohne Eskorte bewegen.

Zuerst ging es in die Wüste. Es kam ein Sandsturm auf, gefolgt von einem Unwetter, dass wir so noch nie erlebt hatten. Ganze Landstriche wurden überflutet, die Straße stand unter Wasser und schließlich mussten wir die Fahrt abbrechen und in einem Polizeirevier die Nacht verbringen. Es war kurz vor Mitternacht, als aufgeregte Stimmen uns aus dem Schlaf rissen. „Water is coming!“ Innerhalb von Minuten lief die Polizeistation voll und wir flüchteten mit all unserem Hab und Gut auf das Dach des Gebäudes. Ein Auge konnten wir diese Nacht nicht zu tun. Am nächsten Morgen war das Wasser nur leicht zurück gegangen. Nach stundenlangem hin und her, ob die weitere Straße immer noch überflutet sei, gab es dann das „Go“ zur Weiterfahrt. Wir wateten durch hüfthohes, dreckbraunes Wasser zur leicht erhöhten Straße. Die Eskorte führe uns nach Quetta, wo wir die Nacht im Gefängnis verbrachten. Also genauer gesagt auf dem Dach. Nach viel Anstrengung und Bürokratie, erhielten wir die Genehmigung weiter zu fahren. Natürlich mit unserem alle 5 km wechselndem Polizeischutz.

 

Kurz vor Islamabad waren wir dann endlich frei und konnten uns ohne Polizei bewegen. Ein Nachrichtenteam entdeckte uns auf der Straße und interviewte uns zu unserer Weltreise. Nach einer kurzen Verschnaufpause in Pakistans Hauptstadt ging es gleich weiter Richtung Karakoram Highway. Er ist eine der höchsten asphaltierten, grenzüberschreitenden Autostraßen und verbindet die autonome Region Xinjiang Uighur in China mit Gilgit-Baltistan in Pakistan. Nach etwa 50km wurden wir wieder von der Polizei begleitet. Es ging durch wunderschöne Berglandschaften und gegen Nachmittag zog das Wetter erstaunlich schnell zu. Die aktuelle Eskorte bestand wieder aus einem Pickup und die Polizisten boten an, uns und unsere Räder einzuladen. Regen und viele Höhenmeter warteten. Da sagten wir natürlich nicht nein. Auf 4100 Meter am Babusar Pass angekommen, zitterte Melli wie Espenlaup. Es war sehr kalt. So wurden wir erstmal in die Polizei Hütte eingeladen, die praktischerweise am Gipfel stationiert war und konnten uns bei einem Teller Daal Mash und Chai am Feuer wärmen. Die Nacht durften wir in einem kleinem Raum schlafen, der zwar schimmlig und zugig war, aber Schutz vor dem Regen bedeutete.

Die Nacht war bitter kalt und der Horror. Wir bekamen beide rasende Kopfschmerzen, Atemnot, mussten uns übergeben und hatten Durchfall. Höhenkrankheit, da war doch was. Wir hatten tags zuvor viel zu schnell, viel zu viele Höhenmeter zurückgelegt und mussten nun dafür büßen. Wir mussten so schnell wie möglich wieder in tiefere Höhenlagen, danach ging es zum Glück auch wieder besser. Wieder einmal waren wir froh, dass wir mit unserer Ausrüstung für vier Jahreszeiten und unserer Reiseapotheke genau für solche Fälle bestens gewappnet waren. Und dann hatten wir ihn ganz plötzlich erreicht, den Karakoram Highway. Unfassbar schöne Landschaft breitete sich vor uns aus. Bald darauf zweigten wir ab, denn wir wollten unbedingt den Deosai Nationalpark durchradeln. Er liegt im pakistanischen Westhimalaya und ist das zweithöchste Hochplateu der Welt. Unseren Höhenrekord mit unseren Rädern haben wir somit zum zweiten Mal gebrochen und sind nun schon auf 4200 Meter geradelt. Auch wenn es unfassbar anstrengend war, war der Ausblick einfach der Wahnsinn.

Auch etwas anderes beschäftigte uns. Hier gab es nicht nur tolles Naturschauspiel, auch Bären nannten dieses Gebiet ihr Zuhause. So suchten wir ein Camp nach dem nächsten auf, um dort unser Zelt aufzustellen, denn die Chance auf einen Bärenangriff war so geringer. Tatsächlich umstreiften die Bären nächtlich unser Lager, aber zum Glück ohne jegliche Zwischenfälle. Erschöpft, aber glücklich erreichten wir vor kurzem Skardu, wo wir eine Pause einlegen von den vielen Höhenmetern.

Bis zum nächsten Update und liebe Grüße von unterwegs Melli & Dan

Weitere Infos

Melanie und Daniel berichten über ihre Weltreise auf www.vaegabond.com und auf Facebook, Instagram und Youtube.

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