Radreise-Bericht von der Ammerquelle bis zum Ammersee

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Von der Ammerquelle bis zum Ammersee

Verschwundene Quellen, stille Schluchten und Wege im Dickicht

Was will man mehr? Die rätselhafte Quelle der Ammer entdecken, durch die idyllischen Hügel des Voralpenlandes cruisen, in einer steilen Schlucht bergab sausen, ins erfrischende Nass der Ammer springen, auf bequemen Schotterwegen den Flusskurven folgen und durchs Dickicht zur Mündung in den Ammersee vordringen. Schließlich geht es in den Abendstunden flott am Ufer des Ammersees entlang, bis man müde, aber zufrieden sein Ziel am Nordende des Sees erreicht.

Es kommt nicht oft vor, dass der Song von Lou Reed voll zutrifft: „Just a perfect day“. Dieser Tag ist so einer. Ein Spätsommermorgen Mitte September, die Sonne strahlt und keine Wolke trübt den Himmel. Vom Bahnhof in Oberammergau sind es nur ein paar Meter zum Ufer der Ammer, die hier noch schmal und smaragdgrün zwischen spitzen Felsnadeln und großen Heuhaufen dahinfließt. Um ihre Quelle zu erreichen, geht es zunächst Richtung Süden, auf einem breiten Schotterweg entlang der Flusskurven, quer durch den dichten Wald des Ettaler Weidmooses und schließlich durch fast undurchdringliches Gestrüpp.

Aber die Suche nach der Ammerquelle (oder besser: einem der verschiedenen Quelltöpfe) wird noch abenteuerlicher: Der Pfad endet abrupt an einem breitem Schotterbett – doch vom Fluss ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Das Phänomen nennt sich Ammerversickerung: Zwischen Linderhof und Graswang fließt das Wasser unterirdisch und tritt erst dann an die Oberfläche. Erst nach einigem Suchen, fallen ein paar kristallklare Wasserbecken am Rand des „Flussbetts“ auf. Man muss schon genau hinschauen, um zu erkennen, was dort passiert: Kleine Luftbläschen steigen zwischen den Kieselsteinen an die Oberfläche – und mit ihnen auch das Wasser, das die Ammerquelle bildet.

Nach ein paar Fotos geht es auf dem gleichen Weg zurück und ins historische Zentrum von Oberammergau. Mit seinen rustikalen Alpenhäusern, den verzierten Holzgiebeln und religiösen Wandbildern, dem Passionstheater und der Kirche St. Peter und Paul wirkt der kleine Ort pittoresk. Aber die zahlreichen Gasthöfe, Cafés und Souvenirläden sind voll mit Touristen und motivieren dazu, bald weiterzufahren. Der Weg entlang der Ammer führt durch ein breites Hochtal mit goldgelben Getreidefeldern nach Unterammergau, dann seitlich des Tals entlang der Bahnlinie bis ins kleine Altenau.

Idyllische Fahrt durchs Ammer-Loisach-Hügelland

Hier biegt man links ab und quert auf einer Brücke die tief unten liegende Ammer – die man jetzt für einige Kilometer „rechts liegen“ lässt. Denn sie fließt hier in eine tiefe, dicht bewachsene Schlucht, in der es keinen durchgängigen Radweg gibt. Stattdessen saust man vorbei am Weiler Mayersäge, legt eine kurze Steigung zurück und gelangt zu den Wiesen, Weiden und Wäldern des Ammer-Loisach-Hügellands. Neben idyllischen Bauernhöfen weiden Kühe, Pferde, Ziegen und sogar Gämsen, während auf den kleinen Straßen kaum ein Fahrzeug unterwegs ist. In stetigem Bergauf und Bergab geht es an den winzigen Orten Peustelsau, Kreut und Schächen vorbei, bis man den hübsch gelegenen Schwaigsee erreicht, von dem sich eine schöne Aussicht in alle Richtungen bietet.

Anschließend gilt es, eine kleine Anhöhe zu erklimmen, auf der auch die Schönegger Käsealm liegt. Von hier windet sich ein Sträßchen an Hügeln entlang und durch kleine Dörfer bergab bis ins Städtchen Rottenbuch – schon wieder ganz in der Nähe der Ammer. Allerdings muss man zunächst dem Radweg neben der Bundesstraße nach Ramsau folgen, scharf rechts abbiegen und durch ein Gewerbegebiet fahren, bis man beim Wanderparkplatz „Schnalz“ endlich den Rand der Ammerschlucht erreicht. Auf einem steilen, grob geschotterten Fahrweg rumpelt man am linken Hang der Schlucht bergab – immer tiefer und tiefer in den dicht bewaldeten Taleinschnitt hinein.

Irgendwann ist der Talgrund erreicht, wo Wiesen mit gelben und lila Herbstzeitlosen zu einer gemütlichen Mittagsrast einladen. Hierher verirrt sich kaum ein Mensch. Allerdings ist auch die Ammer immer noch nicht zu sehen: Sie versteckt sich weiter hinter Bäumen und dichtem Unterholz. Erst ein paar Kurven später, kurz vor Peißenberg, ist das Ufer auf einmal zum Greifen nah. Jetzt hat man den hügeligen Teil der Route hinter sich – ab hier geht es auf einem breiten Schotterweg, fast eben an der breiter gewordenen Ammer entlang. Unterwegs laden kleine Kiesstrände immer wieder zu einer Badepause ein. Das Wasser ist allerdings nicht sehr tief, so dass man höchstens ein bisschen plantschen, aber nicht richtig schwimmen kann.

Bunte Säulen in der Natur und eine überwucherte Mündung

Durch eine ruhige, fast unberührte Gegend mit saftig grünen Wiesen und Obstbäumen folgt man den Flusskurven in Richtung Osten. Bei Thalhausen macht die Ammer einen scharfen Knick nach Norden und bald darauf taucht rechts des Wegs die STOA 169 auf: Eine große, offene Säulenhalle, die wie ein Meteorit in der Landschaft liegt. Ihre 121 bunten, völlig unterschiedlichen Säulen wurden von Künstlern aus aller Welt gestaltet. Schon von Weitem sieht das Ganze so faszinierend aus, dass man hier unmöglich ohne Stopp vorbeifahren kann.

Weiter geht es an den unzähligen Kurven des Flusses entlang, vorbei an Oderding und durch ein Wohngebiet von Weilheim. Auf ihren letzten Kilometern durchquert die Ammer malerische Sonnenblumenfelder und die kleinen Bauernhöfe Oberer und Unterer Ammerhof. Kurz darauf stößt man auf die Alte Ammer, die sich in abenteuerlichen Schlangenlinien Richtung Westen windet. Auch der Radweg zweigt hier nach Westen ab – aber nun gilt zunächst, die Ammermündung zu erkunden!

Nach kurzer Strecke ist die Landstraße nach Fischen erreicht. Man überquert die Brücke und folgt einem schnurgeraden, halb zugewachsenen und mit Zweigen übersäten Weg noch etwa einen Kilometer geradeaus. Rechts ist durch den dichten Bewuchs schon der Ammersee zu erkennen, auf dem kleine, bunte Boote schaukeln. Dann endet der Pfad abrupt an einem Naturschutzgebiet. Hier ist alles so dicht mit Dornenhecken und Sumpfpflanzen zugewuchert, dass es kein Weiterkommen mehr gibt. Immerhin kann man durch das Dickicht die Ammer erspähen, die wie in einem schmalen Kanal, in den sie schon umgebenden See fließt. Ein Schwarm Mücken sorgt dafür, dass dieser kurze Anblick genügt – dann geht es so flott wie möglich wieder zurück zur Landstraße.

Im rosa Abendlicht am Seeufer entlang

Zurück an der Alten Amper, fliegt man fast schon auf geteerten Wegen durch hochstehende Mais- und Sonnenblumenfelder. Bald ist Raisting erreicht und nach einem kurzen Stück entlang der Bahnlinie auch der Ortsrand von Dießen. Nun hat man die Wahl: Links geht es ins historische Zentrum, alternativ folgt man dem Weg rechts der Bahnlinie und gelangt bald ans Ufer des Ammersees, wo Liegewiesen, Kioske und ein kleiner Hafen mit Segelbooten zum Relaxen, Baden und Eisessen einladen.

Wer müde ist oder so gemütlich unterwegs war, dass schon die Dunkelheit hereinbricht, kann in Dießen übernachten oder hier in die Regionalbahn steigen. Für Unentwegte schließt sich noch eine besonders schöne Strecke an: Auf einem gut ausgeschilderten Radweg am Westufer des Sees geht es nach Riederau, dann an Badewiesen vorbei ins malerische Utting, wo mehrere Gasthöfe am Ufer zum Abendessen oder einem After-Bike-Drink einladen. Auch hier könnte man in die Bahn umsteigen – oder man widersteht der Versuchung und hält noch ein paar Kilometer länger durch. Mit Blick auf den im Abendlicht rosa leuchtenden See ist Schondorf schnell erreicht. Anschließend wird der Wald so dicht, dass der See in der Dämmerung nur noch schemenhaft zu erkennen ist. Schließlich tauchen die ersten Wohngebiete von Eching auf.

Um ans Ziel, den S-Bahnhof in Türkenfeld zu gelangen, durchquert man den Ort und folgt der Landstraße durch Wiesen und Felder nach Norden. Fast geschafft – doch zum Abschluss wird es noch einmal anstrengend: Der Radweg führt links einen Hügel hinauf, auch im Dorf Zankenhausen geht es stetig bergauf, dann folgt eine letzte Steigung entlang der Hauptstraße nach Türkenfeld. Inzwischen ist es längst stockdunkel – aber die Abendluft ist immer noch mild und riecht nach Sommer. Ein langer, aber perfekter Tag geht zu Ende.

Text und Fotos: Christine Amrhein

Praktische Infos

Angaben zur Route

Gesamtstrecke: ca. 117 km

Reine Fahrzeit: ca. 7 h

Oberammergau (Bahnhof) – Ammerversickerung und zurück: ca. 12 km

Oberammergau (Bahnhof) – Peißenberg: ca. 43 km

Peißenberg – Dießen: ca. 34 km

Abstecher zur Ammermündung (hin und zurück): ca. 5 km

Dießen – Eching: ca. 17 km Eching – Türkenfeld (S-Bahn): ca. 6 km

Öffentliche Verkehrsmittel

Von München nach Oberammergau: mit der Regionalbahn, Dauer ca. 1.45 h, Verbindung etwa einmal pro Stunde

Von Dießen nach München: mit der Regionalbahn, Dauer ca. 1 h, Verbindung ca. alle 30 Min.

Von Türkenfeld nach München: mit der Regionalbahn oder S-Bahn (S4), Dauer ca. 40-45 Min., Verbindung etwa alle 15-30 Min. (abends seltener)

Infos zur Ammer

Der Quellbereich der Ammer liegt in den Ammergauer Alpen zwischen Ettal und Graswang. Hinter Unterammergau fließt die Ammer durch das Ammer-Loisach-Hüggelland und durch die Ammerschlucht und mündet bei Dießen in den Ammersee. Nördlich des Ammersees heißt sie Amper und mündet bei Moosburg in die Isar. Insgesamt ist die Ammer / Amper 186 Kilometer lang.

Sehenswürdigkeiten entlang der Route

Oberammergau

Kirche St. Peter und Paul: Anfang des 18. Jahrhunderts erbaute Kirche im Rokokostil

Passionstheater Oberammergau: Ort der weltberühmten Passionsspiele, die alle 10 Jahre stattfinden. Die nächsten Passionsspiele finden 2022 statt.

Weitere Infos zu Oberammergau: www.ammergauer-alpen.de/oberammergau

Rottenbuch

Klosterstiftskirche Mariä-Geburt: Kirche mit prächtigem Innenraum und Hochaltar im Rokokostil

Frauenbrünnerl: achteckige Kapelle aus dem Jahr 1688

Weitere Infos zu Rottenbuch: www.rottenbuch.de

Peißenberg

Hohenpeißenberg (ca. 7 km von der Route entfernt): schöner Rundblick

Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt auf dem Hohenpeißenberg: Doppelkirche mit der älteren Gnadenkapelle und einem Anbau aus dem 17. Jahrhundert

Meteorologisches Observatorium und Sender auf dem Hohenpeißenberg: älteste Bergwetterstation der Welt aus dem Jahr 1781 und 160 Meter hoher Sendeturm

Weitere Infos zu Hohenpeißenberg: www.hohenpeissenberg.de

Polling

STOA169: Säulenhalle in der Natur mit 121 Säulen, die von Künstlern aus aller Welt gestaltet wurden. Die Säulenhalle liegt 200 Meter von der Ammer und ca. 2 km von Polling entfernt. Eintritt ist frei, eine Spende ist erwünscht.

Weitere Infos: stoa169.com

Kloster Polling: im Jahr 750 gegründete Klosteranlage neben dem Tiefenbach

Weitere Infos zu Polling: polling.de  → Kultur & Tourismus

Dießen am Ammersee

Marienmünster: Barockkirche aus den Jahren 1732 bis 1739, mit dem berühmten Deckengemälde „Dießener Himmel“

Taubenturm: Turm am Eingang zum Klosterhof mit schöner Aussicht über den Ort und den Ammersee

Künstler-Pavillon: Pavillon am Seeufer, mit Ausstellungen zu Dießener Kunsthandwerk aus den Bereichen Keramik, Metall, Holz, Glas, Malerei, Textil etc.

Weitere Infos: www.diessener-kunst.de

Weitere Infos zu Dießen und der Region Ammersee: www.ammersee-guide.de

Übernachten

in Oberammergau

Hotel Ammergauer Hof
Bahnhofstr. 3
82487 Oberammergau

Gästehaus Unruh
Ettaler Str. 32
82487 Oberammergau

in Peiting

Alpenhotel Pfaffenwinkel
Hauptplatz 10
86971 Peiting

in Peißenberg

Gasthof zur Post
Ludwigstr. 1
82380 Peißenberg

in Dießen am Ammersee

Strandhotel
Jahnstr. 10
86911 Dießen am Ammersee

Bauernhof Beim Kinibauer
Bierdorf 1
86911 Dießen am Ammersee

Die Autorin Christine Amrhein

Die Autorin, Dr. Christine Amrhein, hat Psychologie studiert und in diesem Fach auch promoviert. Seit 2007 arbeitet sie als freie Journalistin, hauptsächlich als Wissenschaftsjournalistin. Reisen und Fahrradtouren machen ihr große Freude. Und so schreibt sie auch gerne zu diesen Themen.

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