Jakobsweg Tag Null - Heute ist Sonntagabend

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Tag Null - Vor dem Start

Sonntag, 10. Mai 2009

Vor dem Start
- von Walfisch -

Heute ist Sonntagabend, 22 Uhr. Bevor ich mit unserem Bericht über unsere Fahrt nach Santiago de Compostela beginne, möchte ich erst einmal meinen momentanen Geisteszustand beschreiben.

Es begann alles am Donnerstag in der Früh. Meine Sachen waren gepackt, glaubte ich jedenfalls, und Norbert stand, wie vereinbart, um neun Uhr vor meiner Haustür, um mich nach Darmstadt zu bringen. Dort übernahm ich den Kia Carnival, den uns die Presseabteilung des gleichnamigen Autoherstellers für den Camino freundlicher Weise zur Verfügung gestellt hat.

Ich hatte zu meinem unglaublich vielen Gepäck noch ein riesiges Tablett dabei, das ich von meiner guten Freundin Marianne mit den Worten: „Bring das mal bitte nach Stuttgart, dann muss ich es nicht postfertig einpacken“, in die Hand gedrückt bekam, damit ich es einem Freund aus Stuttgart zurück geben konnte.

Das ist jetzt zwar nicht das, was ich erzählen wollte, aber durchaus erwähnenswert, um meinen schon oben genannten Geisteszustand zu beschreiben. Ich muss zu meiner Ehrenrettung allerdings sagen, dass ich in den letzten sieben Jahren nur drei Wochen Urlaub hatte, wobei der letzte fast zwei Jahre zurück liegt.

Okay, ich komme zur Sache. In der Nähe von Göttingen fragte ich Norbert plötzlich und völlig entsetzt, ob wir auch das Tablett ins Auto gelegt hatten. Panisch schaute ich während der Frage nach hinten, um dabei kein Tablett zu entdecken. Selbstverständlich lag es im Auto, und zwar direkt vor meiner Nase, aber ich hatte es als solches nicht erkannt. Nun gut: Norbert beruhigte mich, indem er mir wohl formuliert und völlig ruhig erklärte, dass das Tablett natürlich im Auto liegt und zwar direkt vor mir. Irgendwann erkannte ich es dann auch und ich beruhigte mich glücklicher Weise wieder. Das war das eine.

Die anderen Dinge folgten – und zwar jetzt.

Norbert und ich fuhren also mit dem wunderbaren Kia, in dem sieben Hightech-Moutanbikes Platz fanden und auch noch das Gepäck der Besitzer, Richtung Pyrenäen. Bis unter das Dach war der Wagen voll geladen. Wir übernachteten in dem niedlichen Ort Pontgibeaud, der mitten in Frankreich liegt, und zwar im Hotel de la Poste. Übrigens hat das Hotel eine ganz nette Besitzerin. Abends gingen wir noch etwas essen und da ich ein Sicherheitsfanatiker bin, war ich der Meinung, dass es besser sei, Laptop, Geld und alle Papiere, die sich in einer Art Aktentasche befanden, während des Essens unter das Bett zu legen. Gedacht, getan. Problem war, dass ich mich erst am nächsten Tag zirka 200 Kilometer westlich von Pontgibeaud wieder an diese Tasche erinnerte. Bitter. Vier Stunden später waren wir wieder am selben Ort. Die Tasche war unversehrt noch im Hotel. Wir fuhren also wegen meiner Schusseligkeit an diesem Tag über 1000 Kilometer...

Wir schafften es aber noch vor unseren Freunden, die mit der Bahn fuhren, am Ziel zu sein. Wir packten schnell alle Fahrräder und das Gepäck aus, brachten das wertvolle Gut in eine für unsere Velos vorgesehene Garage, das Gepäck in unsere Zimmer und gingen essen. Was auch sonst. Während des Essens fiel mir auf, das ich den Autoschlüssel nicht mehr bei mir hatte. Na ja, dachte ich mir, er wird schon irgendwo sein. Was auch der Fall war. Aber die Aufregung war groß, denn viele Leute kümmerten sich um den Schlüssel, der in meiner schon oben beschriebenen Aktentasche schlummerte. Also, irgendwann fanden wir den Schlawiner wieder, der sich in der hintersten Ecke der Tasche versteckte und alle waren glücklich. 

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