Südufer des Gardasees - von Maderno nach Pesquiera

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Südufer des Gardasees: von Maderno nach Pesquiera

Genussradeln, Unabhängigkeit und viel Abwechslung: Das bietet diese Radtour am Südufer des Gardasees. Hübsche Städtchen mit italienischem Flair, erfrischendes Baden im See, alte Kultur und kleine Wanderungen: Alles ist drin und in drei bis vier Tagen locker zu bewältigen.

Für ein paar Tage ohne Auto ganz in den Süden des Gardasees fahren und vollkommen unabhängig sein? Geht nicht? Die Lösung ist eigentlich ganz einfach: Ein Eurocity verkehrt mehrmals täglich über die Alpen und sogar die Fahrradmitnahme klappt. Von Rovereto nach Torbole, an der Nordspitze des Gardasees, sind es nur ein paar Kilometer, noch dazu geht es die meiste Zeit bergab. Und um schnell in den Süden zu gelangen, bieten sich die Gardasee-Fähren an: Mit wunderschöner Aussicht auf malerische Orte zwischen Palmen und Zypressen und die hohen Berge dahinter gleitet man über den See und ist schon gegen Mittag in Maderno.

Schon der Anblick der Bucht mit dem Hafen und der Chiesa di Sant’Andrea Apostole verlockt dazu, das Städtchen näher zu erkunden. Nach einem Bummel durch die Altstadt und einem Blick in die Chiesa Parrocchiale San Pietro e Paolo geht es endlich „richtig“ los: Immer am Ufer des Sees entlang nach Süden. Bald taucht am Weg die prächtige neoklassizistische Villa Alba auf, von ihrer imposanten Treppe bietet sich ein schöner Blick über den See.

Schon ein paar Kilometer später hat man Saló erreicht. Hier kann man die längste Uferpromenade des Gardasees entlang schlendern, ein Eis genießen und dabei elegante italienische Gebäude wie den Palazzo della Magnifica Patria und den Palazzo della Podestà bewundern. Auch ein Blick in den Duomo di Santa Maria Annunziata lohnt sich: Der Innenraum ist deutlich prächtiger als das schlichte Äußere vermuten lässt.

Eindrucksvolle Blicke über die Steilküste

Dann schwingt man sich wieder aufs Rad und fährt auf kleinen Straßen in der Nähe des Seeufers um eine Bucht, den Golfo di Salò herum. Nach einer leichten Steigung erreicht man eine Absperrung am Weg zum Promontorio di San Fermo. Hier lässt man die Räder stehen und geht die letzten Meter zu Fuß, an der winzigen Chiesa di San Fermo vorbei bis an den Rand der Steilküste. Von dort bietet sich ein toller Panoramablick über den See und die kleine Isola del Garda mit ihren Gärten und einem Palast, der an ein Märchenschloss erinnert.

Wieder zurück bei den Rädern, sucht man sich seinen Weg zwischen Campingplätzen am Hang, bis man die Bucht von Manerba mit ihrem langen Kiesstrand erreicht. Nun geht es wieder bequem an der Küste entlang, vorbei am Rummel der Cafés an der Spiaggia Lido di Manerba bis zu einem etwas abseits gelegenen Gebiet des Seeufers: der Landspitze San Biagio, auf der sich außer den Gästen der Campingplätze nur wenige Besucher:innen tummeln.

Der schönste Campingplatz liegt auf der von Kiesstränden umgebenen Spitze der Halbinsel. Hier kann man sein Zelt auf einer Wiese direkt am Ufer aufschlagen – oder man wählt einen Platz weiter oberhalb, wo man rechts auf den bewaldeten Rocca di Manerba und links auf die Bucht von Manerba blickt. Ein besonderer Spaß ist es, durchs flache Wasser zur kleinen, vorgelagerten Isola di San Biagio zu schwimmen oder zu waten. Aber Vorsicht: Geld nicht vergessen! Denn wer das Inselchen betreten will, muss 5 Euro Eintritt zahlen.

Im Hinterland durch Weinreben und Olivenhaine

Am nächsten Tag geht es frisch ausgeruht durch ein Wohngebiet und leicht bergauf zum Museo Rocca di Manerba. Hier muss man die Räder zurücklassen und läuft etwa 15 Minuten im Wald bergauf zum Gipfel des Rocca di Manerba – einem steilen Felshügel, wo sich von den Mauerresten einer alten Festung ein beeindruckender Rundblick bietet. Auf einem schmalen Pfad, zuerst steil bergab, dann ein Stück bergauf, kraxelt man weiter zum Rand der Steilküste, wo man über helle, senkrechte Kalkfelsen auf kleine Segelboote im Wasser und einen einsamen Kiesstrand blickt. Natürlich verlockt es, dort zu baden – und tatsächlich gelangt man oberhalb der Steilküste zu einer Stelle im Wald, wo ein Pfad hinunter zur Spiaggia de la Rocca im Schatten der Felsen führt.

Nach einem erfrischenden Bad wandert man durch Olivenhaine zurück zu den Rädern. Nun muss man zum ersten Mal etwas länger in die Pedale treten, um Desenzano del Garda zu erreichen. Durch ruhige Wohnviertel geht es nach Moniga, dann folgt man dem Radweg neben der etwas stärker befahrenen Uferstraße. Ab Padenghe sul Garda kann man dem Verkehr auf einem Radweg durchs Hinterland ausweichen. Hier hat die Landschaft gleich einen ganz anderen Charakter: Dichter Wald, Weinreben und Olivenhaine wechseln einander ab. Bei Villaggio d’Annunzio rollt man wieder hinunter zum See und folgt der von Cafés gesäumten Uferstraße, die hinein nach Desenzano führt.

Kunstvolle Mosaike und ein blumengeschmückter Hafen

Hier lockt zunächst das Castello di Desenzano, das auf einem Hügel über der Altstadt liegt: Von seinen wehrhaften Mauern schweift der Blick über rotbraune Ziegeldächer und Kirchen, die Hafenmole und den blau leuchtenden See. Weiter geht es zur Villa Romana, wo römische Kultur richtig Spaß macht: Auf dem weitläufigen Gelände liegen die Überreste von Wohngebäuden und Thermen aus dem 1. Jahrhundert vor Christus. Und überall stößt man auf kunstvolle Mosaikböden, die Tiger und Hirsche, Engel und Menschen zeigen.

Anschließend kann man durch einen der hübschesten Orte am Gardasee bummeln: Vorbei an prächtigen Bürgerhäusern, dem Dom und der dreieckigen Piazza Malvezzi zum alten Hafenbecken, wo zwischen Blumentrögen und Pinien kleine Boote im Wasser schaukeln.

Weiter geht’s auf dem Radweg neben der Uferstraße, wo schon etwas mehr Betrieb herrschen kann, ins nahe gelegene Sirmione. Das Städtchen auf der schmalen, etwa fünf Kilometer langen Landzunge im See ist ein Touristen-Magnet – trotzdem lohnt sich ein Besuch. Zwischen Hotelanlagen und Parks radelt man bis zum Hafenbecken am Rand der Altstadt – wo ein paar Polizisten energisch darauf hinweisen, dass Radfahren ab hier verboten ist.

Verwinkelte Gassen auf einer schmalen Landzunge

Also betritt man die Altstadt eben zu Fuß, über eine alte Zugbrücke und durch das Stadttor. Dahinter ragt das imposante Castello Scaligero in die Höhe, dann geht es durch schmale, verwinkelte Gassen, vorbei an trutzigen kleinen Kirchen und von Oleander umrankten Häusern. Falls man es schafft, nicht in einer der zahllosen Eisdielen, Konditoreien, Cafés und Restaurants hängen zu bleiben, kommt man weiter nördlich in einen kleinen Park, wo die schlichte Chiesa di San Piedro in Malvino mit schönen Wandmalereien wartet.

Nun ist es nicht mehr weit zur größten Attraktion von Sirmione: den Grotte di Catullo. Keine Grotten, sondern die Ruinen einer römischen Villa, die die gesamte Spitze der Halbinsel einnehmen: Ein langer Säulengang, römische Bäder und die „Aula der Giganten“. Am beeindruckendsten aber ist der Blick von den Gärten oberhalb der Küste: nach Westen zum Rocca di Manerba, nach Osten bis zum „fernen“ Bardolino und Garda.

Zurück von der Landzunge, radelt man an der Uferstraße weiter Richtung Osten. Links ziehen kleine Yachthäfen, Strände und grüne Wiesen vorbei – ein Teil des Seeufers ist aber leider von Gebäuden und Campingplätzen verdeckt. Doch die sieben Kilometer nach Peschiera sind schnell zurückgelegt, und dann tauchen schon die wehrhaften Mauern der Altstadt auf. Das Besondere an dieser Stadt: Sie liegt auf mehreren kleinen Inseln im Fluss Mincio. Und obwohl die Festung seit 2017 zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, trifft man hier auf vergleichsweise wenige Tourist:innen.

Hohe Festungsmauern, von Wasser umgeben

Die Erkundung des verwinkelten Städtchens ist ein echtes Vergnügen: Von der alten Steinbrücke hinter der Porta Brescia bietet sich ein beeindruckender Blick auf meterdicke Mauern und den Ring aus Wasser, der die Altstadt umgibt. Weiter östlich schaut man von der Bastione di San Marco auf das große, von alten Steinhäusern gesäumte Hafenbecken. Imposant ist auch das venezianische Stadttor Porta Verona mit dem Markuslöwen, und in der Altstadt verbreiten pastellfarbene Häuser, Spezialitätenläden und Fischrestaurants ein italienisches Flair.

Schade nur, dass die Zeit am „südlichsten See Deutschlands“ schnell wieder zu Ende ist. Doch zumindest ist die Rückkehr nicht kompliziert: Vom nahegelegenen Bahnhof ist man in einer Viertelstunde in Verona – wo man nach einem Bummel durch die Stadt wieder in den Eurocity nach Deutschland steigen kann.

Text und Fotos: Christine Amrhein

Praktische Infos

Angaben zur Route

Gesamtstrecke: 70,5 km
Strecke Maderno – Pesquiera: 51,5 km
Strecke Rovereto – Torbole: 19 km
Maderno – Salò: 8,5 km
Salò – Promontorio di San Fermo: 6,5 km
Promontorio di San Fermo – Landspitze
San Biagio: 7 km Landspitze
San Biagio – Desenzano: 15 km
Desenzano – Sirmione (Rand der Altstadt): 6,5 km
Sirmione – Pesquiera: 8 km

An- und Rückfahrt

München – Rovereto: Eurocity, Direktverbindung, Dauer ca. 4.40 h, ca. 5 Mal am Tag, Fahrradmitnahme bei vorheriger Reservierung möglich Peschiera del Garda – Verona: Regionalzug, Dauer ca. 15-20 Minuten, 1-2 Mal pro Stunde
Verona – München: Eurocity, Direktverbindung, Dauer ca. 5.30 h, ca. 5 Mal am Tag, Fahrradmitnahme bei vorheriger Reservierung möglich

Fähren auf dem Gardasee

Fähre Torbole – Maderno: um 9 h, Dauer 2,5 h, Ticket Erwachsener: 12 €

weitere Infos zu den Fähren (Fahrzeiten, Fahrpläne, Preise etc.): www.navigazionelaghi.it.

Sehenswürdigkeiten entlang der Route

Toscolano-Maderno

Schöne Altstadt und Uferpromenade Chiesa Parrocchiale San Pietro e Paolo aus dem 16. Jahrhundert, mit Wandmalereien, daneben Santuario Madonna del Benaco Pfarrkirche St. Andrea Apostolo aus dem 12. Jahrhundert, mit Skulpturen und Wandmalereien aus der Renaissance

weitere Infos hier.

Villa Alba

Prächtige Villa im neoklassizistischen Stil, an der Straße zwischen Toscolano-Maderno und Salò

weitere Infos: www.villaalbagardone.it

Saló

Schöne Altstadt und längste Uferpromenade des Gardasees Duomo di Santa Maria Annunziata, mit Mosaik im Fußboden Paläste: Palazzo della Magnifica Patria und Palazzo della Podestà

weitere Infos: www.comune.salo.bs.it

Promontorio di San Fermo

Landspitze mit kleiner Chiesa di San Fermo und Blick auf die Isola del Garda

San Biagio

Landspitze mit schönem Campingplatz, Badeplätzen und Möglichkeit, zur Isola di San Biagio zu schwimmen bzw. zu waten

Rocca di Manerba

Felshügel mit Panoramablick auf den südlichen Gardasee archäologisches Museum mit Funden aus der Umgebung Spiaggia de la Rocca: schöner, versteckter Badestrand unterhalb der Steilküste

weitere Infos: www.riservaroccamanerba.com

Desenzano

Schöne Altstadt mit altem Hafenbecken (Porto Vecchio di Desenzano), Duomo di Santa Maria Maddalena, alten Palästen und vielen Cafés und Restaurants Castello di Desenzano: Burg oberhalb der Altstadt, mit schönem Blick über die Stadt und den See
Villa Romana di Desenzano del Garda: Ruinen einer römischen Villa, mit vielen Mosaikböden

weitere Infos: www.comune.desenzano.brescia.it

Sirmione

beliebter Touristenort mit schöner Altstadt auf einer Landspitze
Castello Scaligero di Sirmione: alte Festung mit Panoramablick über die Stadt
Paroquia di Santa Maria Maggiore: historische Kirche in der Altstadt Chiesa di San Pietro in Malvino: kleine Kirche mit alten Fresken, in Park am Nordende der Landspitze
Grotte di Catullo: Ruinen einer großen römischen Villa, am Nordende der Landspitze

weitere Infos hier

Pesquiera

schöne, von Festungsmauern umgebene Altstadt auf einer Insel im Fluss Mincio, seit 2017 Unesco-Weltkulturerebe Festungsmauer mit verschiedenen Bastionen, historisches Stadttor Porta Verona

weitere Infos: www.tourismpeschiera.it

Übernachten

in Torbole

Villa Emma
Via Coize 41
38069 Torbole
Tel.: +39 0464 506133 oder +39 328 5591513

auf der Landspitze San Biagio

Camping San Biagio
Via Cavalle 19
25080 Manerba del Garda (BS)
Tel.: +39 0365 551549

bei Sirmione / Desenzano

San Francesco Camping Village
Strada Vicinale San Francesco
Desenzano del Garda
Tel.: +39 030 9110245

in Peschiera

Bed & Breakfast Prigioni
Vicolo Pescatore 4b
37019 Peschiera del Garda
Tel.: Silvia: +39 333 5918792
Nicola: +39 328 2696288

Palazzo ai Capitani
Via Castelletto 2/4
37019 Peschiera del Garda (VR)
Tel.: + 39 045 7552742

 

Die Autorin Christine Amrhein

Die Autorin, Dr. Christine Amrhein, hat Psychologie studiert und in diesem Fach auch promoviert. Seit 2007 arbeitet sie als freie Journalistin, hauptsächlich als Wissenschaftsjournalistin. Reisen und Fahrradtouren machen ihr große Freude. Und so schreibt sie auch gerne zu diesen Themen.

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