Rio die Megacity mit dem Rad erkunden

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Rio mit dem Rad erkunden

Traumstrände, buntes Leben und viel Natur

Rio de Janeiro hat viele Attraktionen. Die Vorstellung, die südamerikanische Megacity mit dem Rad zu erkunden, schreckt jedoch zunächst ab. Doch ein Netz guter Radwege, ein stadtweites Bike-Sharing-System und viel Natur machen die Erkundung per Rad zum echten Vergnügen. Endlose Sandstrände, der Zuckerhut und die Cristo-Statue als Wahrzeichen hoch über der Stadt, rhythmische Samba-Musik, das bunte Treiben im Karneval… Wer möchte nicht einmal im Leben in Rio gewesen sein? Auf der anderen Seite haften Vorurteile von verstopften Straßen, riesigen Entfernungen, Verkehrschaos, Smog an der brasilianischen Hauptstadt.

Die Idee, Rio mit dem Rad zu erkunden, scheint da auf den ersten Blick abwegig. Doch die mit 6,7 Millionen Einwohnern zweitgrößte Stadt Brasiliens, die sich über 20 Kilometer entlang der Guanabara-Bucht erstreckt, ist überraschend fahrradfreundlich. Viel dazu beigetragen haben Baumaßnahmen im Vorfeld der Fußball-WM im Jahr 2014 und der Olympischen Spiele 2016. So entstanden nicht nur neue öffentliche Verkehrsmittel wie eine Straßenbahnlinie im Zentrum, sondern auch viele neue Wege für Radfahrer:innen und Fußgänger:innen. Und mit den weitläufigen Parks entlang der Küste, guter Beschilderung und einem Bike-Sharing-Angebot mit 260 Stationen ist Radfahren in Rio nicht nur möglich – es macht auch richtig Spaß.

Route 1: Vom Zentrum entlang der Küste zum Zuckerhut

Los geht es zum Beispiel am Largo da Lapa, wo direkt neben den Aquädukt-Bögen der historischen Straßenbahn Bonde eine Station mit knallorangen Leihfahrrädern wartet. Aus der Altstadt geht es Richtung Küste, vorbei am modernistischen Betonklotz des Museu de Arte Moderna (MAM). Direkt daneben startet ein nagelneuer, geteerter Radweg, der durch breite, gepflegte Parks immer in Sichtweite des Meeres Richtung Süden führt. Hier lässt es sich ganz entspannt radeln: Vorbei an kleinen Buchten mit bunten Segelbooten, den berühmten Stränden Praia do Flamengo und Praia de Botafogo und durch den ruhigen Parque do Flamengo, wo die vierspurige Straße an Sonn- und Feiertagen komplett autofrei ist. Unterwegs bieten sich immer wieder neue Perspektiven auf die spektakuläre Kulisse Rios, mit kegelförmigen Felshügeln entlang der Küste, der Kulisse des Zuckerhuts und hoch aufragenden, eigenartig geformten Bergen in der Ferne.

Wer Kultur mag, kann einen Zwischenstopp in Catete einlegen. Mitten in einem grünen, tropischen Park liegt der prächtige Palácio do Catete, dessen Dachfirst von fünf mächtigen Bronze-Condoren geziert wird. Von 1896 bis 1954 war er der Regierungssitz der brasilianischen Präsidenten – bis Diktator Getulio Vargas hier 1954 Selbstmord beging. Die zahlreichen Räume sind voll mit europäisch geprägter Pracht: Elegante Möbel, Statuen, Wandmalereien und Kronleuchter dekorieren Festsaal, Speisesaal und Schlafgemächer.

Ein Friedhof wie eine Stadt und Äffchen mit weißen Haarbüscheln

Ein weiterer Abstecher führt in den Stadtteil Botafogo zum weitläufigen Cemitério São João Batista – mit über 25.000 Gräbern eine kleine Stadt in der Stadt. Und zwar eine ziemlich elegante: Zwischen gelb blühenden Büschen und filigranen Statuen stehen zahllose kunstvoll verzierte „Grabhäuschen“. Umrahmt wird das Ganze von steilen Hügeln, an denen sich die bunt zusammengewürfelten Häuser der Favelas drängen.

Auf dem Weg hierher gibt es schon ein paar kleine Hürden zu überwinden: Abseits der Küste gelangt man schnell in ein Gewirr aus kleinen, holprigen Gassen, mehrspurigen Hauptverkehrsstraßen, löchrigen Gehsteigen und unerwarteten Einbahnstraßen. Da ist es gut, wenn man schon etwas Erfahrung mit dem eher unkonventionellem Fahrstil Südamerikas hat: Manchmal muss man ein Stück gegen die Fahrtrichtung fahren, sein Rad über hohe Bordsteinkanten hieven oder auf einer vielbefahrenen Straße den richtigen Moment zum Wenden abpassen.

Wer es leichter haben will, folgt einfach weiter der Küste – und ist schon bald bei einer Weltklasse-Sehenswürdigkeit angelangt: dem berühmten Pão de Açúcar, dem Zuckerhut. Aber auch die Küste unterhalb hat ihren Reiz: Hier erstreckt sich in einer kleinen Bucht der beliebte Strand Praia Vermelha, der von den vielen bunten Sonnenschirmen fast komplett verdeckt wird. Nördlich davon führt ein gut ausgebauter Wanderweg, die Pista Cláudio Coutinho, 1,5 Kilometer an der abwechslungsreichen, felsigen Küste unterhalb des Zuckerhuts entlang. Hier kann man Büschelaffen (kleine Äffchen mit weißen Haarbüscheln an den Ohren), tropische Pflanzen und große Felsbrocken im Meer beobachten. Oder man steigt – falls die Warteschlange nicht zu lang ist – einfach in die Bondinho, die Gondel, die hinauf zum 395 Meter hohen Zuckerhut fährt. Der Rundumblick von hier, über zahllose Buchten, Hügel, Strände und das Häusermeer Rios, ist einfach überwältigend. Zurück geht es wieder mit dem Rad – oder man nimmt den nächsten Bus, der einen sicher zurück ins Zentrum bringt.

Route 2: Copacabana, Ipanema und Laguna Rodgrigo Freitas

Ganz in der Nähe des Zuckerhuts startet die zweite Tour: am östlichen Ende des Copacabana-Strandes. Wer Lust hat, kann hier zunächst auf einem kleinen Hügel kraxeln, wo sich von der Festung Forte Duque de Caxias ein toller Blick auf den schier endlosen goldgelben Sandstrand bietet. Unterhalb wartet dann schon die nächste Radstation. Von hier geht es auf einem gut markierten Radweg an der Uferpromenade entlang: Zwischen dem breiten Strand mit unzähligen Sonnenbadenden auf der einen Seite, einer mehrspurigen Straße mit Hochhäusern auf der anderen Seite.

Die Cariocas, die Einwohner Rios, sind bekannt dafür, das Leben zu genießen – das spürt man nirgends deutlicher als hier. Immer wieder trifft man im Vorbeifahren auf improvisierte Samba-Gruppen, die mit Trommeln, Rasseln, Gitarren und Gesang einen so guten Rhythmus hinlegen, dass viele Passanten gebannt stehen bleiben – und manche spontan einen Tanz hinlegen.

Seen, Parks und elegante Paläste: Rios grüner Süden

Vier Kilometer weiter, am anderen Ende der Bucht, wartet das Forte de Copacabana mit einem weiteren spektakulären Ausblick über den Strand. Hinter der Ponta do Arpoador – einer felsigen Halbinsel mit blühenden Kakteen – beginnt schon der nächste endlose Strand, die Praia de Ipanema. Wer hier nach Norden abbiegt, gelangt durch ein ruhiges Wohnviertel zur weitläufigen Lagoa Rodrigo de Freitas. In der grünen Oase um den See, der sich per Rad- und Fußweg bequem umrunden lässt, tummeln sich Jogger:innen, Familien mit Kindern und verliebte Paare. Ein interessanter Zwischenstopp ist der Parque da Catacumba, wo ein Pfad durch dichtes tropisches Gehölz zum Mirante do Sacopã führt – mit wunderbarer Aussicht auf die Lagune, die schicken Wohnsiedlungen von Ipanema und Leblon und die über allem aufragende Cristo-Statue.

Ganz in der Nähe warten zwei weitere grüne Oasen: der Parque Henrique Lage im englischen Stil, mit gepflegtem See, künstlicher Tropfsteinhöhle und dem eleganten Palacete do Parque Lage. Sein Innenhof, der bei Selfie-Fans beliebt ist, wirkt mit seinem großen Wasserbecken, das von Säulenbögen umrahmt wird, fast schon römisch. Nicht weit entfernt erstreckt sich der 140 Hektar große Jardim Botânico (Botanische Garten), in dem man problemlos einen halben Tag verbringen kann. Beim Bummel zwischen stilvoll angelegten Teichen, kleinen Bächen, Springbrunnen und Skulpturen lässt sich praktisch die gesamte Vegetation Brasiliens entdecken: exotische Kakteen, prachtvoll blühende Orchideen und Bromelien, große Wasserlilien und hohe, knorrige Ceiba-Bäume.

Anschließend rollt man gemütlich zurück zur Küste, wo man am Strand von Ipanema oder Copacabana die Qual der Wahl hat: In einem der gehobenen Hotelrestaurants schick zu Abend essen, einfach die Uferpromenade entlang schlendern, im lauwarmen Meer den Schweiß des Tages wegbaden – oder die Nacht bis zum nächsten Morgen durchfeiern. In Rio ist alles möglich.

Text und Fotos: Christine Amrhein

Praktische Infos

Beste Reisezeit

Rio de Janeiro hat das ganze Jahr über Saison. Gute Reisemonate sind April bis Juni, wenn das Wetter nicht ganz so heiß ist und weniger Touristen unterwegs sind. Januar und Februar sind die heißesten Monate. Dann finden auch viele Feste wie Silvester und der Karneval statt, so dass Unterkünfte gut gebucht sind und die Stadt überlaufen sein kann.

Fahradverleih

Das Bike-Sharing System Bike Itaú (oder tembici) verfügt über 260 Stationen im ganzen Stadtgebiet. Zur Nutzung muss man zunächst die App herunterladen und einen der Verträge abschließen, die es zum Beispiel für zwei Tage (ca. 3,30 Euro) oder einen Monat (ca. 4,90 Euro) gibt. Gezahlt wird per Kreditkarte. Anschließend kann man die Räder per App eine bestimmte Zeit lang (je nach Vertrag zwischen 30 Minuten und 2 Stunden) kostenlos ausleihen, danach fallen Gebühren von etwa 60 Cent pro 30 Minuten an. Zum Ausleihen einfach auf der Übersichtskarte der App eine nahegelegene Station auswählen, an der Räder verfügbar sind. Man erhält dann einen vierstelligen Öffnungscode aufs Handy, den man am Rad seiner Wahl eingibt. Zur Rückgabe das Rad einfach in einen Ständer an der Radstation einhängen – ein grünes Licht zeigt an, dass die Rückgabe erfolgreich war.

Rio hat ein gutes System öffentlicher Verkehrsmittel. Die Metro verbindet Ziele im ganzen Stadtgebiet, ist schnell, zuverlässig und sicher. Zur Nutzung benötigt man eine Prepaid-Karte, die in jeder Metro-Station erhältlich ist. Rios 2016 eröffnete Straßenbahn (VLT) fährt vom Busbahnhof (Rodoviária Novo Rio) quer durch das Stadtzentrum bis zum Inland-Flughafen Santos Dumont. Öffentliche Busse sind überall in der Stadt unterwegs und können per Handzeichen angehalten werden. In den Stadtvierteln Copacabana, Ipanema und Leblon gibt es zudem ein neues Schnellbussystem (BRS) mit eigenen Busspuren.Touristeninformation offizielle Webseite der Stadt Rio (mit Infos, Karten, Veranstaltungstipps).

Infos über Attraktionen, Unterkünfte, Ausgehen und Veranstaltungen in Rio 

Tourist Info an der Copacabana:
Riotur Copacabana
Avenida Princesa Isabel 183
Tel.: +55-212541-7522

Sehenswürdigkeiten entlang der Routen

Museu de Arte Moderna (MAM) 
Palácio de Catete (Museu da República) 
Cemitério São João Batista 
Zuckerhut / Seilbahn Bondinho
Parque Henrique

Essen und Trinken

in der Nähe des Parque do Flamengo:
Tacacá do Norte
Gerichte aus dem Amazonasgebiet
Barao do Flamengo, 35

an der Copacabana:
Joaquina brasilianische Gerichte und Drinks
Avenida Atlantica, 974

im Forte Copacabana:
Confeiteria Colombo
Praça Coronel Eugênio Franco, 1

im Palast des Parque Lage:
Café Plage 
am Eingang des Jardim Botânico:

(Änderungen aufgrund der Corona-Pandemie sind möglich. Aktuelle Infos finden sich auf den jeweiligen Webseiten.)

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