Testbericht Scorpion fs mit BionX (Fortsetzung)

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Im Test: Scorpion fs mit BionX Hilfsantrieb

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Entspanntes Fahren mit viel Aussicht …

Einmalig entspannt ist die Sitzhaltung auf dem Scorpion: Die Hände locker an der Seite, Nacken, Schultern und Arme relaxen – dafür braucht man noch nicht mal die optional erhältliche Nackenstütze. Die Federung bügelt Stöße ausreichend weg, so dass auch der Rücken nicht leiden muss. In der genannten Nackenstütze kommen diese jedoch spürbar an, sodass man den Kopf während der Fahrt nicht anlehnen möchte, die Kosten dafür kann man sich also nach Meinung der Tester sparen. Die Bremsen verzögern sehr zuverlässig und gut dosierbar, dank des tiefen Schwerpunkts und des langen Radstands hat man das Trike bei jedem Bremsmanöver gut im Griff. Am Testrad werden die beiden Scheibenbremsen vorne mit der rechten, die V-Brake am Hinterrad mit der linken Hand bedient. Alternativ werden die Vorderräder einzeln angesteuert, so dass in Kurven gezielt das innere Rad abgebremst werden kann.

Dank der drei Räder, dem sehr guten Geradeauslauf und der entspannten Sitzposition lenkt man das Gefährt so sorgenfrei, dass man – zumindest auf verkehrsarmen Straßen – den Blick wesentlich häufiger, weiter und ausgiebiger von rechts nach links schweifen lässt, als man dies vom Fahrrad fahren sonst gewöhnt ist. So macht Radeln Spaß!

… doch Vorsicht in den Kurven

Ganz gleich wie bequem man auf dem Rad sitzt – beim Kurven fahren heißt es aufpassen. Man muss sein Gewicht entsprechend verlagern und sich mit dem Oberkörper sehr stark in die Kurve legen, sonst hebt der äußere Reifen schnell vom Boden ab. Am besten tastet man sich auf unbefahrenen breiten Straßen an die richtige Kurvenfahrtechnik heran.

Über Stock und über Stein

HP Velotechnik hat ein spezielles Federungskonzept entwickelt, das sog. No-Squat-System. Die Konstruktion verhindert das Einfedern durch Antriebskräfte und Pedalrückschlag. Ohne Kraftverlust wird die Antriebsenergie direkt umgesetzt, ohne dass der Komfort deshalb geringer wäre: Stöße werden effizient gefiltert. Auf Wunsch kommt ein Luftfederelement von DT-Swiss zum Einsatz, serienmäßig ist eine Stahlfeder verbaut, bei beiden lassen sich Dämpfung und Federung einstellen und das Fahrwerk auf die verschiedenen Gewichte und Ansprüche einstellen.

Besondere Beachtung verdient die Vorderradaufhängung mit McPherson-Federbeinen. Die beiden Laufräder werden mit Hilfe dieser Konstruktion schwingungsmechanisch vom restlichen Fahrzeug entkoppelt. Ein Rahmenquerträger hält die Federbeine weit außen, ein einstellbarer Dreieckslenker und wartungsfreie Lage verbindet sie mit dem Hauptrahmen. Die Vorspannung der Federn ist einstellbar.

Die Beschreibung des Mechanismus klingt so kompliziert wie die Konstruktion aussieht, das Ergebnis in der Praxis ist überzeugend: Die ungefederte Masse des Fahrzeugs ist gering (auch Gepäck wird übrigens gefedert transportiert), das Ansprechverhalten entsprechend sensibel. Die Lenkung arbeitet leichtgängig und unbeeinflusst von Brems- und Stoßeinwirkungen, der gute Geradeauslauf ermöglicht sicheres freihändiges Fahren.

In allzu raues Gelände fährt man trotz der guten Federung mit dem Scorpion besser nicht. In der Variante mit 3x9 Shimano XT-Schaltung sitzt das untere Schaltungsröllchen in leichten Gängen extrem nah an Boden und Laufrad – da darf das Gelände nicht zu uneben oder grobschottrig sein. Forst-Highways oder Feldwege mit gleichmäßigem Belag lassen sich jedoch sehr gut befahren.

Ab in die Garage

Wohin mit dem Rad nach der Tour? Das Scorpion mit BionX wiegt gut 24 kg. Man trägt es deswegen und aufgrund der Größe nicht mal eben in den Keller. Vor der Tür wird man das wertvolle Gefährt auch kaum stehen lassen, daher sollte man idealerweise über eine Garage verfügen. Ob diese dann auch einen Stromanschluss bietet, ist nicht so entscheidend: Der LiMN-Akku kann mit einer Schlüsselumdrehung und einem Handgriff zum Laden aus dem Rahmen genommen werden. Ein vollständig entladener Akku ist nach ca. 3-4 Stunden wieder aufgeladen, etwas störend dabei ist der geräuschvoll arbeitende Kühl-Ventilator des Ladegeräts.

Ein Gefährt für die ganze Familie

Familienmitglieder zwischen ca. 1,62 m und 2 m Körpergröße können das Scorpion fs abwechselnd nutzen, wenn man die Rahmenvariante mit Längenverstellung gewählt hat. Es genügt dann, zwei Schnellspanner zu lockern und das Hauptrohr auszuziehen bzw. einzufahren. Die Kettenlänge passt sich dank einer Führung über mehrere Umlenkrollen automatisch an. A propos Kette: Sie wird an allen Stellen, wo man mit ihr in Kontakt kommen könnte, durch leichtgängige Kunststoffrohre geführt.

Fazit

Das E-Liegedreirad Scorpion fs ist ein Gefährt, mit dem man viel Spaß haben kann. Vor allem, wenn man in verkehrsarmen Gebieten unterwegs ist, die entsprechende Muskulatur ausgebildet hat, das nötige Kleingeld besitzt und Sight-Seeing-Touren mit wenig Gepäck unternimmt. Die gewöhnlichen Aufrechtfahrer vermissen auch nach einigen Testkilometern die gewohnte Geschwindigkeit, mokieren sich ein wenig über das Kurvenfahrverhalten und sehen vor allem den Spaßfaktor des Trikes – natürlich insbesondere Dank „Stufe 4“. Für den Liegeradfahrer ist das Scorpion fs die natürliche Weiterentwicklung vom Liegezweirad und fortan ganz oben auf der Wunschliste angesiedelt. Einig sind sich die Tester, dass hier eine bis ins Detail perfekt durchdachte Konstruktion, hochwertige Komponenten und saubere Verarbeitung die Grundlage sind für ein Trike, das sich durch ein sehr gutes Fahrverhalten und einen tollen Komfort auszeichnet.

Cornelia Auschra

Testergebnisse im Überblick

Einsatzbereich: Touren, ggf. Alltag, bevorzugt überschaubare Straßenverkehrssituationen

Pluspunkte: Ermöglicht sehr entspanntes Fahren und schont Gesäß, Nacken, Arme, Schultern, Hände. Faltbar auf ein praktikables Maß. Bietet ein ungewohntes, neuartiges Fahrrad-Fahrgefühl. Beste Noten für Fahrverhalten, Geradeauslauf, Komfort, Spurtreue dank ausgeklügelterm Radaufhängungssystem und „No-Squat-Federungskonzept”.

Einschränkungen: Liegerad fahren erfordert andere Muskulatur als das normale Rad fahren. Drängelgitter sind oft schwer passierbar. Fahrradwege sind ggf. zu schmal (Breite des Trike: 83 cm).  Frei laufende Hunde befinden sich direkt in Gesichthöhe, die ungewohnte Sitzposition erfordert besonders vorausschauendes Fahren. Ohne Motor ist bergauf fahren (insbesondere mit Gepäck) sehr anstrengend. Unterbringung sollte bevorzugt ebenerdig erfolgen, da das Rad sehr schwer und relativ unhandlich ist. Wie bei jedem Elektrorad sollte man zusätzlich zu den hohen Anschaffungskosten die Folgekosten (Lebensdauer des Akkus laut Herstellerangaben: 800-1000 Ladezyklen) im Blick behalten.

Spezifikationen Scorpion fs (Testrad)

Rahmen Aluminium 7005T6 wärmebehandelt, Pulverbeschichtung, mit Schnellverstellung für Körpergröße zwischen 1,62 und 2 Meter
Länge: 172–206 cm, Radstand 111 cm, Spurweite 78 cm, Breite 83 cm, Faltmaß: 90x83x63 cm
Federung vorne 60 mm Federweg, Federvorspannung einstellbar, austauschbare Stahlfedern und MCU-Elastomere, HP Stabilizer System
Federung hinten Luftfederelement von DT-Swiss, Federweg 80 mm
Schalthebel Shimano Dura Ace Lenkerend
Bremsen Avid Scheibenbremse BB7
Kurbelgarnitur Truvativ
Schaltwerk ShimanoXT
Elektrische Hilfsantrieb BionX PL250HT
Lichtanlage Nabendynamo SON
Reifen 20’’ Marathon Plus
Sitz ErgoMesh-Netzsitz
Gewicht des Testrads: ca. 24 kg (davon entfällt ca. 7 kg Mehrgewicht gegenüber der Dual Drive-Ausstattung auf den BionX-Antrieb)
Preis des Testrads: ca. 7.100 Euro
Preis Grundausstattung (u.a. ohne BionX): ca. 3.200 Euro

Genaue Preisinformationen bietet der Konfigurator (Java Script erforderlich)
www.hpvelotechnik.com

Alle Angaben wurden von Hayit Medien und radtouren.de nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Text/Fotos: Cornelia Auschra (c) copyright, Alle Rechte vorbehalten

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