Jakobsweg Tag 11 - Sarria - Melide

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Tag 11: Trabadello - Sarria

Mittwoch, 20. Mai 2009

- von Mario -

Sarria – Melide

Heute begann alles etwas hektisch...die letzten 112 km warteten auf uns...

Die Schattenseiten: Automaten am Wegrand...

...und das Ergebnis

Axel und Hägges haben verschlafen obwohl wir heute eine Stunde später losfahren wollen.

Einig sind wir nur, dass wir in der Sonne frühstücken wollen doch es gibt noch keinen Plan und wir fahren voellig unkoordiniert los.

Manchmal muessen auch die besten Fahrer schieben

In Sarria geht’s gleich auf den Camino und sehr steil bergauf zur Kirche ... immer noch keine Bar, die uns ein sonniges Plätzchen bietet. Einige sind schon nach wenigen Metern voellig unterzuckert, da sie ohne Fruehstueck solche Anstrengungen vollbringen muessen. Ich biete an, eine Bar zu suchen. Nachdem ich sie gefunden habe, sind alle schon ueber alle Berge. Telefonisch kläre ich deren Position ab und fahre hinterher.

Schräg: Graffiti und Maria muss sicherheitshalber hinter Gitter

Mein lieber Bruder Manne wartet auf mich am Bahnübergang. Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch brettern wir auf dem Camino hinterher. An der schmalen Bruecke ueber den Rio Pequeno passiert es: Gewicht falsch verlagert, ein Bein noch in den Clickpedalen und schon liege ich im Bach. Klitschnass - und das noch vor dem Frühstück!

Getreidespeicher in Gallizien

Meine frisch rasierten Beine sind zerschunden. Ich blute ein wenig – aber was soll`s! Weiter!

Es geht drei Kilometer steil bergauf. Immer noch kein Kaffee. Auf einmal taucht eine Automatengaststätte am Wegrand in Vilei auf. Moderne Zeiten. Wir trinken einen Not-Kaffee und dann kommt auch schon der Langschlaefer Hägges, der über soviel Commerz wieder nur den Kopf schütteln kann.

Ein Ritual: Pilger legen Steine auf die Wegkreuze. Nicht alle sind Statiker von Beruf

Weiter oben treffen wir den Rest der Truppe in der Sonne sitzend frühstücken. Nach einer Stunde fahren wir gut gelaunt weiter, der ganze Aerger ist verflogen.

Treffen an der Treppe in Porto Marin

 

Walfisch und Norbert ziehen es vor, auf der Landstrasse bis zum nächsten Treffpunkt in Porto Marin weiterzufahren. Dumm nur: sie fahren in die falsche Richtung – aber sie koennen unsere Rufe nicht mehr hoeren.

Es geht immer irgendwie weiter

Wir bleiben auf dem Camino. Es ist wieder wunderschön. Zum Großteil breite Lehmwege, entlang an uralten Bäumen, Alleen, steinmauerbegrenzten Weiden, Feldern und Wäldern – ab und zu führt uns der Weg auch durch kleinere Bäche, die für ein wenig Abkühlung sorgen. Es ist mittlerweile warm und sonnig.

In Porto Marin treffen wir wieder den „blasenden Wal“ (er ging von einer Flachetappe aus) und Norbert. Wir trinken einen Cafe con Leche und fahren weiter Richtung Palas de Rei, wo wir uns mit der restlichen Crew treffen, um den Uebernachtungsort „basisdemokratisch“ zu bestimmen. Auf Melida faellt die Wahl. Sie war gut, wie sich spaeter herausstellen soll.

Landschaft und Weg verändert sich kaum, auch der Duft von Kuhmist, den wir heute stetig in der Nase hatten, bleibt. Nichts zu riechen von den im Reisefuehrer versprochenen Duefte der Eukalyptusbaeume – die haben keine Chance.

Auf den letzten 15 Kilometern geht es nochmal zur Sache (ca. 400 Höhenmeter!!!) bis wir unser Hostal erreichen.

Das Abendessen ist der Hammer! Vorspeise Pulpo und anschließend für jeden ein T-Bone Steak von mindestens 800 Gramm, mit anderen Worten: Tellergross - fantastisch!!!


 

Meine Gedanken zum Tag, bzw. was mir auffiel:

- die Anzahl der wandernden Pilger hat sich stark seit heute stark erhöht.

- das Ende (des Weges) naht

- mit jedem Meilenstein wird uns klarer dass der Weg so langsam zu Ende geht, das beklemmt uns

Manne, Gaby und ich reden schon über die Radreise im nächsten Jahr und dass wir den Camino irgendwann nochmals fahren werden (pers. Anmerkung...vielleicht lassen sich meine Kinder in ein paar Jahren motivieren, diese Tour mit mir dann altem Herrn zu fahren. Das würde mich ungemein freuen).

Wenn jemand gerne Rad fährt und den Mut hat, sich diese Strapazen im Urlaub anzutun, für den ist es ein Muss, diesen Weg zu fahren. Es gibt meines Erachtens nichts Schoeneres!

Gruesse an die Heimat, Mario!

Tagesetappe:
68 Kilometer, 1226 Hoehenmeter, Fahrzeit 4,11 h, 1170 Abfahrtskilometer

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