Wo ist Vaud {französisch, vo} oder was ist Waadt {deutsch, va:t}? Eidländischer Kanton. Das Genferseegebiet. Die französische Schweiz. Alles zusammen summiert sich im Waadtland, das auch „Pays des Vaud“ heißt, mit seiner Hauptstadt Lausanne. Lässig, weltoffen und modern präsentiert sich der Sitz des Internationalen Olympischen Komitees. Die Lebenskunst und der Freizeitwert am „Lac Léman“, wie der Genfer See bei den Einheimischen genannt wird, changieren zwischen kulinarischen Sternstunden, Events für Sport, Kunst und Kultur sowie Outdoor-Aktivitäten.
Rollend vorwärts im Waadtland
„Lausanne ist meine zweite Heimat geworden“, erzählt die Reiseführerin Katrin Klappert, die vor vielen Jahren aus NRW als Deutschlehrerin in die Schweiz kam. Sie schätze neben der Natur in exponierter Solitär-Lage die kleine Metropole mit ihren etwa 145.000 Einwohner:innen vor allem für ihre charakteristische Urbanität: „Die Olympiastadt hält mich in jedem Fall fit und mobil, denn man muss in die steilen Viertel hoch- und runterlaufen“. Auf drei Hügeln erbaut, verbindet seit 2008 eine U-Bahn das obere Zentrum infrastrukturell mit dem unteren – der Schweizer Tunnelbaukunst sei Dank.
Was Spazieren in der City mit ihren Höhenunterschieden, Segeln vor Bergpanorama und natürlich Skifahren im winterlichen Alpenterrain mit dem Hauptgipfel „Les Diablerets“ über 3.000 Meter bedeutet, das übertrumpft Radfahren in den Sommermonaten. Am Genfer See bewegt man sich rollend vorwärts. Auch wenn sich dies instinktiv mit Speisen wie Berner Rösti, Zürcher Geschnetzeltes und ebensolchen Weinen assoziieren ließe, der Waadtländer ist bekennender Velofan. Unzählige Radgruppen in Kohorten sind auf den Straßen unterwegs. Bunte Team-Trikots sausen auf dem Asphalt wie Farbkleckse vorbei, als ob es etwas zu gewinnen gäbe.

Raststellen auf der Lavaux-Velotour laden zu Ausblick und Picknick ein (Foto: Ariane Günther)
Das Fahrradjahr am Genfer See
Tatsächlich steht der Kanton in 2022 ganz im Zeichen des Fahrrads. „Nach 22 Jahren findet eine Etappe der Tour de France wieder in unserer Hauptstadt statt“, erklärt Emily Lambelet von Vaud-Promotion. „Am 9. Juli erwarten wir die Fahrer zur Ankunft in Lausanne, wo die Tour de France in ihrer Historie zum sechsten Mal gastiert, und am nächsten Tag starten sie im Ort Aigle zum Start auf die erste Bergetappe.“
Eine besondere Ehre wie auch Premiere sei das für Aigle mit seiner Zentrale des „Internationalen Radsportverbandes“ (UCI), das dieses Jahr seinen 20. Geburtstag feiere, führt die Projektleiterin weiter aus. Im UCI-Center können Hobbyradler:innen das Bahnradfahren in Schnupperkursen erlernen oder auf dem Außengelände abenteuerliche Mountainbike- oder BMX-Trails erproben. Wer es gemütlicher angehen lassen will, der erkundet auf zwei Rädern die attraktive Umgebung. Sich beispielsweise im Seestädtchen Vevey – zwischen Aigle und Lausanne gelegen – in den Sattel setzen, um kräftig in die Pedelec-Pedalen zu treten auf den ansteigenden Wegen. Die Strecke ist ausgewiesen mit der Nummer 46.1, wobei „46“ der gesamten Genfersee-Runde mit insgesamt 176 Kilometern entspricht. Auf der Nebenroute „1“ gelangt man in die UNESCO-Kulturlandschaft des Lavaux.
UNESCO-Kulturlandschaft des Lavaux
Mit seinen 400 Kilometern Mauern und 10.000 Terrassen auf 40 Ebenen bildet das Lavaux eine der größten Weinregionen der Schweiz. Die Reben wachsen auf fast senkrecht abfallenden Hanglagen in einem Radius von rund 14 Kilometern und auf 898 Hektar entlang des Sees. Besonders der Chasselas-Traube – in Deutschland bekannt als Gutedel – macht der Genuss des Jura-Bodens und der mildesten durchschnittlichen Jahrestemperatur der Schweiz zum Lavaux-Schatz. Allgemein wird bei den hängenden Weingärten von den „drei Sonnen“ gesprochen: Zusätzlich zu den 1.800 Sonnenstunden im Jahr erstrahlen die Reflexionen vom Wasser und erwärmen die von den Steinmauern tagsüber gespeicherten Temperaturen.

Die Weinparzellen im Kanton Waadt werden von Berggipfeln eingerahmt (Foto: Ariane Günther)
Sinnlichkeit auf zwei Rädern
Vierzehn Orte können in der Lavaux-Weingegend angesteuert werden, die imposante Ziele bieten mit ihrem landestypischen Charakter der dicht aneinandergedrängten Winzerhäuschen und engen Straßenzüge. Im Lavaux macht man keine Radkilometer, sondern cruist im milden Klima mit sanfter Seebrise. Nach ordentlichen Auf- und Abfahrten, die für Pulsfrequenz im Konditionsmodus sorgen, setzen verdiente Pausen mit Wein-Verkostung Akzente. Mit einem Glas guten Tropfens in der Hand einfach auf die weite Wasserfläche schauen.
Selbstverständlich hält der Genfer See auch Anregung für den Geist parat. Empfehlenswert ist etwa ein Trip entlang der Schweizer Riviera entlang von Lausanne über Montreux zum zehn Kilometer entfernten mittelalterlichen Château Chillon, das auf einer Felseninsel als Fotomotiv glänzt.
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Text und Bilder: Ariane Günther