Saale-Unstrut: Themenradwege zur Industriekultur
Vom 10. bis 13. April feiert Sachsen-Anhalt den 15. Tag der Industriekultur. Auch Saale-Unstrut, die Weinregion im Süden des Landes, beteiligt sich und zeigt Originalschauplätze aus der Kohle-Ära. Drei Themenradwege laden zur Entdeckung in eigenem Tempo.
Recarbo-Kohleradweg: Bergbaugeschichte und neue Landschaften
Von der Tagebauwüste zur grünen Urlaubsoase: Kein Landstrich in Saale-Unstrut hat sich in den letzten Jahrzehnten so tiefgreifend verändert wie das ehemalige Zeitz-Weißenfelser Braunkohlenrevier. Das Projekt Recarbo-Erlebnisregion macht den Landschaftswandel mit einer Kombination aus Naturerlebnis und Industriegeschichte erfahrbar. Im Mittelpunkt steht der etwa 19 Kilometer lange Recarbo-Kohleradweg. Start ist in Zeitz. Ein Maulwurf mit Fahrrad weist Radlern als Signet den Weg bis zum Erholungspark Mondsee bei Hohenmölsen.
Zu Beginn der Strecke beeindruckt eines der imposantesten Relikte der regionalen Industriegeschichte: die Brikettfabrik Herrmannschacht. Das 1889 eröffnete Werk ist die älteste erhaltene Brikettfabrik der Welt. Verlassene Backsteinbauten und ein historischer Maschinenpark bieten Lost-Place-Atmosphäre und reichlich Fotomotive. Sehenswert sind auch die Ofenausstellung im Turmhaus sowie der eigens angelegte Braunkohlenwald inklusive eines Lehrpfads zur Kohleentstehung. Besichtigungen sind im Rahmen von Führungen möglich.
Ein lohnender Zwischenstopp ist das Bergbaumuseum Deuben, das direkt am Weg liegt. Auf 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche erzählt es vom traurigen Los der 18 Dörfer, die dem Bergbau weichen mussten, aber auch vom Alltag der Bergleute und der Geschichte des Braunkohlenbergbaus. Höhepunkt ist ein aufwendig nachgebauter, originalgetreu mit Grubenholz verkleideter Tiefbaustollen im Untergeschoss des Museums. Er macht die bedrückenden Arbeitsbedingungen der ehemaligen Bergleute erlebbar. Über aktuelle Öffnungszeiten und Sonderausstellungen informiert die Website.
- 18,7 Kilometer
- 1:20 Stunden
- Strecke: Zeitz – Erholungspark Mondsee
- Anspruch: mittel
Sole-Kohle-Geschichte-Radweg: Kohle, Salz und Urzeittiere
Der Sole-Kohle-Geschichte-Radweg verbindet auf rund 30 Kilometern Zeugnisse der mitteldeutschen Industriegeschichte mit idyllischen Naturlandschaften. Startpunkt ist der Geiseltalsee. Der geflutete Braunkohlentagebau ist mit etwa 18 Quadratkilometern Fläche einer der größten, künstlich angelegten Seen Deutschlands und heute ein beliebtes Erholungsgebiet. Weiter führt der Weg durch friedvolle Naturschutzgebiete und gut beschilderte Wege bis nach Lützen, dem Schauplatz einer der blutigsten Schlachten des Dreißigjährigen Krieges.
Dass der Bergbau im Geiseltal nicht nur die begehrte Kohle ans Licht brachte, zeigt kurz nach dem Start die Ausstellung „Fundort Pfännerhall“ in den imposanten Backsteinhallen der ehemaligen Zentralwerkstatt Pfännerhall in Braunsbedra. Anhand nachmodellierter wie auch echter Fossilien und interaktiver Medienstationen lernen Besucher die prähistorische Flora und Fauna der Region kennen. Geöffnet ist das Museum immer freitags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr.
Der Zwischenstopp Kurort Bad Dürrenberg erinnert mit dem größten zusammenhängenden Gradierwerk Deutschlands daran, wie mühsam die Salzgewinnung fern der Meere einst war. Vom 14. bis 21. April veranstaltet der Bad Dürrenberger Heimatbund Schausieden im Kurpark. Im Mai startet das Sommerprogramm des Kurparks mit sonntäglicher Live-Musik. Krönung des Bad Dürrenberger Veranstaltungsjahres ist das Brunnenfest vom 19. bis 21. September, das seit über 250 Jahren die Entdeckung der Dürrenberger Solequelle zelebriert und zum Immateriellen Kulturerbe zählt.
Ziel des Sole-Kohle-Geschichte-Radwegs ist das moderne Museum Lützen 1632, ein jüngst neu eröffneter Ort des Gedenkens an die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges. Verbindungen zu Saaleradweg, Salzstraße, Goetheradweg, Elster-Saale Radweg und weiteren Radrouten ermöglichen individuelle Erweiterungen der Tour.
- 30,2 Kilometer
- 2:46 Stunden
- Geiseltalsee – Lützen
- Anspruch: mittel
Zuckerbahnradweg: Auf alter Bahnstrecke durch die Natur
Steigungsarm, aussichtsreich und autofrei: Radwege auf ehemaligen Bahntrassen sind etwas für Genießer. So auch der 37 Kilometer lange Zuckerbahnradweg, der entlang der Landesgrenze von Sachsen-Anhalt und Thüringen die Städte Zeitz und Camburg verbindet. Zuckerrüben und Kohle waren die wichtigsten Güter, die auf der 1897 eröffneten Strecke per Eisenbahn transportiert wurden. So konnte hier einer der schönsten Radwege der Region entstehen. Alte Bahnhöfe, Kilometersteine und ein Wasserturm erinnern unterwegs an die glorreiche Eisenbahnvergangenheit.
Das Industriekultur-Highlight am Zuckerbahnradweg ist das Technische Denkmal Museum Hermannschacht. Einen Abstecher wert ist das etwa zwei Kilometer entfernte Deutsche Kinderwagenmuseum auf Schloss Moritzburg, ebenfalls in Zeitz. Von hier lieferte der VEB Zekiwa zu DDR-Zeiten Kinderwagen nach ganz Europa! Etwa 400 Modelle an Kinder-, Sport- und Puppenwagen sind heute in den Museumsräumen zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung dienstags bis sonntags und an gesetzlichen Feiertagen auch montags.
Ein besonderer Reiz des Zuckerbahnradwegs ist seine landschaftliche Vielfalt. Die Strecke verbindet das Elster- mit dem Saaletal und durchläuft den Zeitzer Forst sowie das Wethautal. Sehenswerte Städte entlang der Tour sind Zeitz, Droyßig, Osterfeld, Schkölen und Camburg. Tipp: In Droyßig laden liebevoll hergerichtete Ferienwohnungen im ehemaligen Droyßiger Bahnhof zum Übernachten im Industriedenkmal ein.
- 37,3 Kilometer
- 2:35 Stunden
- Strecke: Zeitz – Camburg
- Anspruch: mittel
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