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Öl & Fett

So läuft das Rad wie geschmiert

"Viel hilft viel" ist ein klassischer Tipp bei der Fahrradpflege. Doch viel wovon eigentlich?

Lager bekommen Fett

Kugel- und Nadellager finden sich beim Fahrrad an den Pedalen und Radnaben, sowie an Tretlager und Steuersatz. Diese benötigen Lagerfett. Die Lagerschalen von Steuersatz (hält die Gabel im Rahmen) und Tretlager sollten mit Montagepaste montiert werden. Gerade bei Kugellagern hat die Fettpackung zusätzlich die Funktion, Schmutz und Feuchtigkeit vom Lager fernzuhalten.

 

Gleitende Verbindungen brauchen Öl

Gleitend gelagerte Verbindungen finden sich beim Fahrrad an den Bremssockeln der V-Bremsen, an der Mechanik der Schaltung und den Bremshebeln. "Diese Verbindungen sollten regeläßig mit einem dünnflüssigen Öl geschmiert werden", empfiehlt Bodo Franz von Pflegemittelhersteller Rema Tip Top.

 

Beim Ölen oft vergessen werden Schalt- und Bremszüge, was im Winter gefährliche Folgen haben kann: " Bei einer frostigen Nacht kann der Zug einfrieren, und morgens merkt man, dass man keine Bremswirkung hat", erklärt Tobias Erhard vom Komponentenhersteller SRAM. Auch bei vorgeschmierten Zugsets gehört bei der Montage ein dünner Öl-Film drauf.

 

Sonderfall Kette

Bei der Kette wirkt sich die Schmierung allerdings schmutzanziehend statt -abstoßend aus. Sie sammelt permanent allerlei Staub- und Schmutzteilchen auf, die an der öligen Oberfläche kleben bleiben. Doch die Schmiermittelindustrie macht stetige Fortschritte: Wer es qualitativ hochwertig mag, greift zum Nano-Diamant-Kettenspray oder -Kettenöl, ein Langzeit-Schmierstoff mit hervorragenden Hafteigenschaften. "Zudem wird durch die Nanotechnologie die Oberfläche geschlossen und somit die Reibung verringert und der Verschleiß reduziert", beschreibt Bodo Franz von Rema Tip Top die Wirkweise.

 

Fett ist Pflicht bei der Erstmontage

Wo unterschiedliche Metalle aufeinanderstoßen, droht Kontaktkorrosion, zumal, wenn Feuchtigkeit im Spiel ist. Wilhelm Humpert, Geschäftsführer des gleichnamigen Lenkerherstellers, schildert einen typischen Fall: "Auch beste Materialgüte ist auf Montagepaste angewiesen. ,Festgefressene' Stützen lassen sich auch vom Profi kaum zerstörungsfrei demontieren." Außerdem: "Wenn Sie die Gewinde der Klemmschrauben an Sattelstütze und Vorbau nicht fetten, erreichen Sie nicht das nötige Anzugsmoment - dann kann beispielsweise der Sattel verrutschen."

 

Unbedingt mit Montagepaste behandelt werden sollten neben der Sattelstütze auch der Vorbauschaft, die Gabel- und Lenkerklemmung des Vorbaus sowie die Flächen der Sattelklemmung und die Achsen der Schnellspanner - ebenso sämtliche Verschraubungen am Fahrrad.

 

Tabuzone Bremse

Und wo darf Fett, Öl und Montagepaste auf keinen Fall hin gelangen? "Sensible Bereiche sind Scheibenbremsen, insbesondere ihre Beläge, sowie natürlich die Bremsflächen und -beläge der Felgenbremsen", erklärt Christian Malik vom Mountainbike-Hersteller HaiBike. "Bei Reifen, deren Montage auf die Felge sich schwierig gestaltet, sind Öl oder Fett tabu, denn sonst kann der Reifen bei der Fahrt von der Felge heruntergleiten", warnt Carsten Zahn, Produktmanager bei der Reifenfirma Schwalbe und empfiehlt statt dessen das Schwalbe-Montagefluid "Easy Fit".

 

Federungen wünschen sich dünnflüssiges Öl

Moderne Öl-Luft-Federgabeln sind darauf angewiesen, dass die Dichtungen möglichst leicht laufen, damit die Federung gut ansprechen kann. "Wir empfehlen, die Tauchrohre der Federgabeln von Zeit zu Zeit abzuwischen und mit Sprühöl zu behandeln", erklärt Dirk Belling vom Federungshersteller RockShox und warnt: "Aber bitte darauf achten, dass das Öl nicht die Dichtungen angreift."

 

Carbon: Fett kann gefährlich werden

Ein Sonderfall sind Bauteile aus Kohlefasermaterial. Die Leichtbau-Komponenten sind oftmals sehr empfindlich, weswegen man die Klemmkraft etwa einer Sattelstützenschelle am Rahmen mit dem Drehmomentschlüssel dosieren muss. Statt herkömmlichem Fett empfiehlt Rennrad-Experte Scheitz spezielle Montagepaste für Carbon-Bauteile: "Damit können sogar die Anzugdrehmomente deutlich reduziert werden."

 

Nicht vergessen: Kontaktspray für die Lichtanlage

Sicherheitsrelevant ist eine Portion Kontaktspray an einer gänzlich unerwarteten Stelle: Die kleinen Steckkontakte der Lichtanlage können durchaus einmal korrodieren. Guido Müller, Geschäftsführer des Beleuchtungsspezialisten Busch und Müller: "Das Wichtige ist, ein Sprühöl zu nehmen, das leitet."

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