Der rund 670 Kilometer lange Ostseeküsten-Radweg ist eine der landschaftlich reizvollsten Radfernrouten im Nordosten. Er führt in Mecklenburg-Vorpommern durch stolze Hansestädte, durch traditionsreiche Seebäder und streift auf seinem Weg zur polnischen Grenze die drei Inseln Poel, Rügen und Usedom sowie die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst.
Unterwegs bieten sich viele Naturschauspiele. Auf der vorgelagerten Insel Poel wird man schon von weitem von dem aufgeregten Gegacker unzähliger rastender Wasservögel begrüßt. Wer sich für die einzigartige Naturlandschaft der Salzhaffregion interessiert, sollte einige Kilometer weiter, im Ostseebad Rerik, unbedingt einen Ausflug mit der „MS Salzhaff“ einplanen. Immer mit Blick auf Flora und Fauna gleitet das Schiff bis zur Halbinsel Wustrow. Unterwegs erläutert ein Meeresbiologe den Vogelschutz im Naturschutzgebiet und Details aus der maritimen Tier- und Pflanzenwelt. (www.ms-ostseebad-rerik.de)
Gespenstische Wälder und faszinierende Steilufer gibt es zwischen Kühlungsborn und Heiligendamm. Mehr als 170 Jahre haben die Bäume des Nienhäger Gehölzes teilweise schon auf ihren verzweigten Ästen. Vom stetigen Seewind und die feucht-salzige Luft haben sie ein besonders mystisches Aussehen verliehen bekommen.
Immer weißer, immer feiner und immer breiter wird der Sandstrand, den Radler im weiteren Verlauf Richtung Rostock-Warnemünde linker Hand liegen lassen. Am anderen Ufer der Warnow beginnt die Rostocker Heide, ein riesiges Waldgebiet, das die Ostseebäder Markgrafenheide und Graal-Müritz einrahmt und sich fast bis zur Halbinsel Fischland-Darß-Zingst zieht. Bunte Kapitänshäuser, alte Zeesboote am Saaler Bodden und der sumpfartigen Naturlandschaft zwischen Zingst und Pramort laden zu Stops ein. Im Frühjahr und Herbst begleiten zudem riesige Kranichschwärme die Radler.
Rügen ist ein von der Natur geschaffenes Meisterwerk. Einmal rund um die Insel führt der Ostseeküsten-Radweg – vorbei am sagenumwobenen Königsstuhl mit seinen Kreidefelsen, den Feuersteinfeldern südlich von Sassnitz sowie den eleganten Bädervillen in Binz, Sellin und Göhren. Rund um die traditionsreichen Bäderorte hat sich über Jahrtausende eine Vielfalt verschiedener Ökosysteme entwickelt. Naturnahe Dünen, Feuchtheiden und Heidemoore mit seltenen Orchideen, Erlenbrüche mit imposanten Schwertlilien und Röhrichte im Ufersaum des Boddens bieten einen Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen.
Wer die Naturoasen im südöstlichen Rügen entdeckt, der sollte unbedingt Augen und Ohren offen halten: etwas südlich von Sassnitz werden Wasserbüffel zur naturnahen Beweidung eingesetzt, um der durch die frühere militärische Nutzung geschädigten Landschaft wieder ihren ursprünglichen Charakter zu geben. Die gewaltigen Tiere leben auf großzügig gekoppelten, halboffenen Weideflächen, die auch im Rahmen einer Büffelsafari erkundet werden können. (www.ostseebad-binz.de)
Von der Hansestadt Greifswald ist es nicht mehr weit bis zum Peenestrom und zur Insel Usedom – dem Ziel des Ostseeküsten-Radweges durch Mecklenburg-Vorpommern. An breiten Stränden reihen sich die Ostseebäder mit langen Promenaden und gut erhaltener Bäderarchitektur aneinander. Zeigt sich die Ostsee auf der einen Seite der Insel noch von seiner stürmischen Seite, legt sich nur wenige hundert Meter entfernt davon eine nahezu unendliche Ruhe über die Wogen des Achterwassers. Dort lohnt es sich, den ein oder anderen Abstecher in das naturstolze Hinterland Usedoms zu unternehmen, etwa auf die Halbinsel Gnitz mit seltenen Fischottern, scheuen Uferschwalben und weiten Wacholder-Kieferwäldern.
Links:
Ostseeküsten-Radweg: www.auf-nach-mv.de/radwandern, www.mecklenburger-radtour.de